Venus im Pelz

Theaterregisseur will Klassiker „Venus im Pelz“ inszenieren, sucht nach einer Hauptbesetzung, castet eine junge Frau von der Straße und erlebt mit ihr sein blaues Wunder.

Dieser Film von Regisseur-Altmeister Roman Polanski war an mir vorbeigegangen. Einige seiner ganz alten (Tanz der Vampire) und einige seiner jüngeren Filme (Ghostwriter, Der Gott des Gemetzels) gehören zu meinen Lieblingsfilmen. Deshalb habe ich hier beherzt zugegriffen. Es hat sich gelohnt:

Die Handlung ist eigentlich simpel: Regisseur Thomas versucht, die Hauptrolle seiner Aufführung der „Venus im Pelz“ zu besetzen. Der Casting-Tag geht vorbei- erfolglos. Jetzt kommt eine etwas abgerockte Dame ins Theater – viel zu spät für jeden Termin. Thomas ist die Frau unsympathisch, er lässt sich aber dazu hinreißen, sie kurz vorsprechen zu lassen. Aus diesem Vorsprechen entwickelt sich ein intensiver Dialog und eine Diskussion über das zugrundeliegende Theaterstück, in der Thomas in die Rolle der Hauptperson schlüpft und das wechselseitige Spiel von Herrschaft und Beherrscht-Sein mit seiner Zufallsbekanntschaft Wanda – die nicht zufällig so heißt wie die Hauptperson des zugrundliegenden Theaterstücks. Es gibt viele Wendungen, in denen Wanda verschiedene Rollen einnimmt und erkennen lässt, dass sie sich mit dem Privatleben des Regisseurs beschäftigt hat und ihn auf vielfältigste Weise manipuliert. Die Grenzen zwischen Theaterstück und Realität verschwimmen immer mehr und menschliche Abgründe tun sich auf. All dies in einem Film, der wie ein Kammerspiel organisiert

Zu diesem Film hilft relativ viel Kontext-Wissen. Denn wir haben es hier mit einem sehr vielschichtigen Stoff zu tun. Zunächst einmal gibt es den Literaturklassiker „Venus im Pelz“ von Leopold von Sacher-Masoch. In dieser nicht fertiggestellten Novelle unterwirft sich Severin von Kusiemski der schönen Witwe Wanda und wird für eine Zeit ihr Liebessklave. Die Beschreibung dieses unterwürfigen Verhältnisses führte zum einen dazu, dass der Begriff des „Masochismus“ entstand und gleichzeitig das Buch für viele Jahrzehnte auf dem Index der Zensur landete. Auf dieser Novelle basiert das Theaterstück von David Ives, dass den Versuch beschreibt, die Novelle auf die Bühne zu bringen. Polanski verfilmt dieses Theaterstück nicht ohne Rückbezüge auf sich selbst und seine Situation und Vergangenheit. Seine Ehefrau Emanuelle Seigner spielt eine der Hauptrollen während Mathieu Almaric als zweite Hauptrolle sehr nach dem Aussehen des jungen Polanski strebt. Der Film hat also mehrere Reflexionsebenen – was das Zuschauen anfangs nicht unbedingt erleichtert, aber schließlich nahezu unendlich viele Interpretationsmöglichkeiten eröffnet. So nutzt Polanski den Regisseur als Projektionsfläche für sein eigenes Schaffen und reflektiert sein Verhältnis zu Schauspielern und zu sich selbst. Ein Film, über den man nach dem Anschauen reden kann – und sollte. Mit Pornographie oder expliziten Darstellungen von Sexualität hat der Film ebensowenig zu tun wie das zugrundeliegende Buch – es geht mehr um die Beschreibung von Dominanz und Unterordnung, das klassische Brecht’sche Thema von Herr und Knecht. Lediglich in der Schlussszene entblößt sich die „Wanda“ – Filmkritiker sehen dieses wohl eher als Eigenzitat von Polanski, der seine Ehefrau Emanuelle Seigner schon im Okkultismus-Film „Die neun Pforten“ nackt tanzen ließ. Die beiden Schauspieler leisten hervorragende Arbeit und Polanski liefert schon die zweite hervorragende Theaterverfilmung nach „ Der Gott des Gemetzels“ ab. Ein unterschätztes Kleinod – unbedingt sehenswert.

Filmfacts

  1. Ursprünglich sollte Louis Garrel die männliche Hauptrolle spielen, er wurde durch Mathieu Amalric ersetzt.
  2. Das Theaterstück spielt ursprünglich in New York, Polanski verlegt es nach Paris.
  3. Im Theaterstück sind beide Akteure 24 Jahre alt – Polanski entfernte die Bezüge auf das Alter.
  4. Der Film war Teil der Filmfestspiele von Cannes 2013 und wurde für die Goldene Palme nominiert.
  5. Der Film erhielt einen César in der Kategorie „Beste Regie“.

Venus im Pelz [Blu-ray]

Price: EUR 8,99

 


Venus in Fur (2013)
Venus in Fur poster Rating: 7.2/10 (10,386 votes)
Director: Roman Polanski
Writer: David Ives (play), Roman Polanski (screenplay), David Ives (screenplay), Leopold von Sacher-Masoch (novel)
Stars: Emmanuelle Seigner, Mathieu Amalric
Runtime: 96 min
Rated: NOT RATED
Genre: Drama
Released: 08 Nov 2013
Plot: An actress attempts to convince a director how she's perfect for a role in his upcoming production.

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One thought on “Venus im Pelz

  1. Toll geschrieben. Vielen Dank.

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