Tschiller: Off Duty

Suspendierter LKA-Beamter folgt seiner rachsüchtigen, aber gekidnappten Tochter nach Istanbul und Moskau und muss dort ein Attentat der Mafia verhindern.

Wieder einmal war es die Neugier, die mich wider besseren Wissens ins Kino getrieben hatte: Konnte „Tschiller: Off Duty“ wirklich so schlecht sein, wie es die Kritiken und der spärliche Zuschauerzuspruch vermuten ließen. Zugegeben, ich bin absolut kein Til Schweiger-Fan. Aber so ein bisschen Action muss doch hinzukriegen sein. Und Fahri Yardim sollte es doch mit seinen lockeren Sprüchen wieder rausreißen können. Was? Egal was. Es wurde ein denkwürdiger Kinoabend.

LKA-Beamter Nick Tschiller (Til Schweiger) befreit seinen Kumpel Yalcin Güter (Fahri Yardim) aus den Klauen einer erpresserischen Prostituierten. Am nächsten Morgen merkt er, dass seine 17-jährige Tochter Lenny (Luna Schweiger) verschwunden ist. Diese hat eine EMail von Tschillers totgeglaubten ehemaligem Zuträger Idris Erwan an ihren Vater abgefangen und ist auf eigene Faust nach Istanbul gereist, um First Aslan, den Mörder ihrer Mutter zu töten. Der Anschlag misslingt und Lenny wird von den Gangstern gefangen genommen. Aslans neuer Partner Seker nutzt Lenny als Köder, um an die Russenmafia zu kommen. Seker ist ein korrupter türkischer Geheimdienstagent, der ins Moskauer Mafiageschäft einsteigen will. Er lässt Lenny nach Moskau bringen, um sie seinen neuen Geschäftsfreunden anzudienen. Tschiller reist nach Istanbul und setzt sich auf Lennys Spur. Er trifft Idris und flieht mit ihm vor Sekers Häschern. Bei einem Treffen mit Aslan wird dieser von einem Heckenschützen erschossen, Tschiller wird von Sekers Polizistenkollegen als Mörder verhaftet. Im türkischen Gefängnis hat er nicht viel zu lachen und muss sehen, dass er schnell nach Moskau kommt, um Lenny zu befreien. Hier tritt abermals Kumpel Yalcin auf den Plan. Er gibt Tschiller eine Droge, die ihn in einen todesähnlichen Tiefschlaf versetzt. Ein Krankenwagen wird gerufen, so kann Yalcin seinen Kumpel befreien. Mit gefälschten Pässen geht es per Zug und Flugzeug nach Moskau. Dort mischen beide die Bordellszene auf der Suche nach Lenny auf, indem sie jedem Zuhälter 50.000 Dollar für Lennys Freilassung bieten. Ihre Suche bleibt erfolglos, stattdessen werden sie von der Bordsteinschwalbe Dasha überfallen. Trotzdem werden die drei zu einem neuen Team. Dasha bringt sie auf die Spur einer Klinik, in der mittellose Prostituierte ihre Nieren verkaufen. Dort treffen sie nur noch auf Lennys verlassenes Bett. Sie wurde von einem der verbrecherischen Ärzte mitgenommen. Die Verfolgungsjagd durch das Moskauer Umland endet in einem Mähdrescher, der schließlich auf dem Roten Platz (ja, genau da, wo einst der Rust landete) geparkt wird. Tschiller verfolgt Seker und gerät aber in die Hände der Moskauer Polizei. Deren Kommissar ist bereit, ihm zu helfen. Offenbar soll Lenny als lebende Bombe eingesetzt werden, um einen Oligarchen zu töten. Schieß- und schlaggewaltig machen sich Nick und Yalcin auf den Weg und landen überraschenderweise auf der VIP-Party des potenziellen Opfers. Doch hier treffen sie nur auf Dasha, die als Lenny verkleidet wurde. Die Gangster haben die mit Drogen vollgepumpte Lenny als Krankenschwester im Rettungswagen platziert, der den Oligarchen vom Schauplatz entfernen soll. Seker versucht, mit seinem Fahrzeug in Funkreichweite zu gelange, was Yalcin aber zu verhindern weiß. Schließlich operiert Tschiller seine Tochter mit bloßen Händen und entfernt ihr die Bombe kurz vor der Explosion.

Die A-Capella-Truppe „Die Prinzen“ kann ich genauso wenig leiden wie Til Schweiger. Aber ihr Song „Alles nur geklaut“ charakterisiert diesen Film, den ich eigentlich nur noch als „Machwerk“ bezeichnen möchte, ziemlich treffend. Und das liegt nicht daran, dass ich diesem Genre nicht zugetan wäre. Für einen guten Jason Statham Film schlage ich mir schon mal die Nacht und die Ohren. Aber auch Action muss gut gemacht sein. Nahezu jede Szene, jede Verfolgungsjagd, jede Idee in „Tschiller: Off Duty“ hat man irgendwo schon einmal gesehen. Es entsteht der schale Geschmack eines Dauer Deja-Vus, eines Zusammenschnitts oder Best-Ofs des Actionfilms. Wenn man es gut mit den Machern von „Tschiller“ meint, dann könnte man das als filmkünstlerisches Zitieren interpretieren. Dieses Stilmitteln wird gerne eingesetzt, aber selten in einer Massivität, wie wir sie hier vorfinden. Dann kann man den Film nur noch als Persiflage auf alle Action-Filme der letzten 20 Jahre interpretieren. Und dafür fehlt ihm etwas, was sehr wichtig ist: Humor. Denn dieses Stilmittel ist anders als das des Zitats vulgo Kopierens leider sehr sparsam eingesetzt worden. Es hängt quasi an der Person Fahri Yardim. Alles was er macht, ist lustig. Alles andere ist ernsthaft. Und genau dieses scherenschnittartige Muster von „Gut“ und „Böse“ zieht sich auch komplett durch den Film. Da werden böse Typen so überzeichnet dargestellt, dass man sich manchmal fragt, ob man in einem Kinderkrimi gelandet ist. Die Figur des Serker ist ein Beispiel dafür. Auch die dummen Sprüche und der großflächige Einsatz von Klischees helfen dem Film nicht wirklich weiter. Dieser Eindruck wird auch durch die völlig an den Haaren herbeigezogene Geschichte mit ihren irrwitzigen Wendungen verstärkt. Logik-Löcher so groß wie Australien bilden einen Flickenteppich, in dem auch der wohlmeinendste Zuschauer versinkt. Höhepunkt hier ist Schweigers OP mit offenen Händen – Sauerbruch würde sich noch im Grab umdrehen. Den absoluten Tiefpunkt des Films stellen aber die offenbar völlig fehlenden schauspielerischen Qualitäten von Schweiger-Tochter Luna dar. Da setzt schon in den Anfangsmomenten ein massives Fremdschämen ein. Ich kann nur davor warnen, diesen Film zu schauen. Es ist verschwendete Zeit und erzeugt schlechte Laune. Genau das Gegenteil von dem, was man bei einem hirnlosen Ballerfilm erwartet. Setzen, Schweiger, sechs. Dann doch bitte im Genre der Familienkomödie bleiben und mit talentierten Töchtern weitere Versuche wie „Honig im Kopf“ unternehmen.

Filmfacts

  1. Das Budget lag bei 8 Millionen Euro.
  2. Gedreht wurde in Hamburg, Istanbul, Moskau und Berlin.
  3. Ca. 1,8 Millionen Euro des Budgets kamen von verschiedenen Filmförderungsanstalten.
  4. Für das erste Wochenende wurden nur ca. 100.000 Zuschauer prognostiziert. Das riecht nach einem Flop.
  5. Nach „Zabou“ und „Zahn um Zahn“ mit Götz George aka Schimanski ist das der dritte Quasi-Tatort-Film fürs Kino.


Nick Off Duty (2016)
Nick Off Duty poster Rating: 3.5/10 (51 votes)
Director: Christian Alvart
Writer: Christoph Darnstädt
Stars: Til Schweiger, Erol Afsin, Berrak Tüzünataç, Fahri Yardim
Runtime: N/A
Rated: N/A
Genre: Action, Comedy, Thriller
Released: 04 Feb 2016
Plot: N/A

Rating: 2.0. From 1 vote.
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