The Sound Of Music – Meine Lieder, meine Träume

Bildgewaltig inszeniertes Musical über eine vielköpfige Familie, deren verwitweter Vater durch die Musik die Liebe seiner Kinder zurückgewinnt und vor den Nazis aus Österreich flüchtet.

Über diesen Film habe ich einiges gelesen. Letztlich haben mich die Musical-Komponisten Rodgers und Hammerstein davon überzeugt, mal einen Blick auf dieses für meinen Filmgeschmack absolut atypische Machwerk zu werfen. Seine Bedeutung für den amerikanischen Raum ist kaum zu überschätzen. Und es muss ja auch mal was anderes als Zombies und Weltraumgeballer über die heimische Leinwand flimmern. Was ich zu sehen bekam, hat mich teilweise überrascht:

Die Novizin Maria hat einen schweren Stand im Kloster. Durch ihre lebhafte Art und ihre Liebe zu Musik und Tanz eckt sie oft an. Deshalb schickt ihre Oberin sie auf eine Bewährungsprobe. Sie soll die kurzfristig ausgefallene Gouvernante im Haus des Kapitän von Trapp ersetzen. Die sieben Kinder des Witwers gelten als schwierig, trotz oder gerade wegen seiner harten Hand gibt es viel Fluktuation auf der Position der Erzieherin. Doch Maria gelingt es, das Herz der Kinder über die Musik zu gewinnen. Selbst den strengen Witwer erreicht sie mit musikalischen Darbietungen der Kinder. Als dieser aber seine Freundin, eine schicke Baronin aus Wien ins Haus bringt, kommt es auf einem Ball zum Showdown der Diven. Die Baronin jagt Maria unter Vorspiegelung falscher Tatsachen aus dem Haus. Doch die Kinder vermissen ihre Freundin und holen sie aus dem Kloster zurück. Daraufhin erkennt die Baronin, dass sie verloren hat, von Trapp macht ihr einen Heiratsantrag und beide fahren in die Flitterwochen. Diese Gelegenheit nutzt Duz-Onkel Max, der ein Kleinimpressario ist und die Kinder bei einem wichtigen Gesangswettbewerb im nahen Salzburg auftreten lassen möchte. Bei der Rückkehr der von Trapps aus den Flitterwochen überstürzen sich die Ereignisse. Österreich ist von den Nazis „angeschlossen“ worden und von Trapp, überzeugter österreichischer Patriot will mit den neuen Machthabern nichts zu tun haben. Diese wollen ihn zwingen, ein Kommando auf einem Schiff in Bremerhaven anzutreten. Die Familie nutzt aber die Turbulenz nach ihrem erfolgreichen Aufritt in der Salzburger Felsenreitschule zur Flucht über die Berge in die Schweiz.

Diese amerikanische Produktion wurde 1965 veröffentlicht und hat seitdem das Bild von Österreich und Europa in den Vereinigten Staaten und Südamerika dauerhaft geprägt. Wir erleben Alpen-Idylle pur. Die ansonsten recht umtriebigen Komponisten Rodgers und Hammerstein haben sich verschiedentlich bei österreichisch-folkloristischen Liedgut bedient und einen musikalischen Reigen manchmal kaum erträglicher Stilbrüche kreiert. Beim „Edelweiß“-Song helfen nur Ohrenschützer oder der schnelle Griff zur Fernbedienung. Einzig der von folkloristischem Gehampel unverschont gebliebene Titelsong überzeugt wirklich. Julie Andrews, die zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt ihres schauspielerischen und musikalischen Schaffens ist, brilliert aber mit einer großartigen Performance und spielt – bis auf einige der Kinderdarsteller – den Rest des Ensembles gnadenlos an die Wand. Christopher Plummer gibt einen nur durchschnittlichen stieseligen Vater und Singen ist auch nicht wirklich sein Metier. Grandios ist aber die Inszenierung der Alpenkulisse. Über die historische und geographische Inkorrektheit der Darstellung – das ganze beruht auf einer wahren Geschichte – sind ganze Bücher verfasst worden. Oder habt Ihr mal versucht, von Salzburg zu Fuß über die Berge in die Schweiz „zu flüchten“. Nicht nur deshalb war der Film bei seiner Veröffentlichung in Europa ein absoluter Flop. Denn er traf auf ein Klima der unverarbeiteten Nazi-Geschichte, in dem die Zielgruppe für Heimatfilm eher noch Sympathien für diese dunkle Zeit hegte. Der Film taugt auch eher als Zeichen für die Kraft der Musik, weniger als antifaschistische Botschaft. Rezeptionshistorisch zeigt er, dass sich die Piefigkeit der 30er Jahre nahezu unverändert bis in die 60er Jahre gehalten hat. Durch den zweiten Weltkrieg ist offensichtlich einiges an gesellschaftlichen Evolutionspotenzial auf der Strecke geblieben. Gleichzeitig verdeutlicht er die Spaltung der Gesellschaft in dieser Zeit: Man kann sich kaum vorstellen, dass dieser Film zwei Jahre vor dem Beginn der Hippie-Bewegung und „Hair“ entstanden ist. Genau diese Beobachtungen machen das Sehen des Films zu einer interessanten, aber auch ernüchternden Zeitreise. So roaring waren die Sixties also wohl doch nicht. Ein Film den man irgendwie gesehen haben muss, der aber trotz seiner manchmal fast aufgesetzten Leichtigkeit nicht immer leicht zu ertragen ist.

Filmfacts

  1. Jüngere Zuschauer werden Julie Andrews als Königin aus „Plötzlich Prinzessin“ wiedererkennen.
  2. Der Film erreichte 1,2 Milliarden (!) Zuschauer in aller Welt.
  3. In Salzburg gibt es spezielle Touren zu den Schauplätzen des Films, einige Hotelsender bringen den Film in Endlosschleife.
  4. In Deutschland wurde der letzte Teil des Films – die Flucht nach der Hochzeit – zunächst nicht gezeigt.
  5. Lady Gaga interpretierte den Titelsong bei der Oscar-Verleihung 2015 und bekam dafür sehr gute Kritiken.


The Sound of Music (1965)
The Sound of Music poster Rating: 8.0/10 (137,910 votes)
Director: Robert Wise
Writer: George Hurdalek (with the partial use of ideas by), Howard Lindsay (from the stage musical book by), Russel Crouse (from the stage musical book by), Ernest Lehman (screenplay)
Stars: Julie Andrews, Christopher Plummer, Eleanor Parker, Richard Haydn
Runtime: 174 min
Rated: G
Genre: Biography, Drama, Family
Released: 29 Mar 1965
Plot: A woman leaves an Austrian convent to become a governess to the children of a Naval officer widower.

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