Snowpiercer

Der Rest der Menschheit lebt nach Klassen sortiert in einem Zug. Eine Revolution bahnt sich ihren Weg von hinten nach vorne in die Wagen der Privilegierten.

Auf diesen Film bin ich ehr zufällig gestoßen. Das dystopische Setting und der erstklassige Cast bewogen mich zur Anschaffung.
Nach einem misslungenen Experiment zur Bekämpfung der Erderwärmung friert die Erde ein. Der Rest der Menschheit überlebt in einem Zug, der auf einer mehrere tausend Kilometer langen Route einmal im Jahr die Erde umquert. Angetrieben wird der Zug von einer Art perpetuum mobile. Der Zug ist fein nach Klassen sortiert: Vorne leben die Privilegierten in unermesslichem Luxus, hinten wird das einfache Volk von den brutalen Sicherheitskräften terrorisiert. Beherrscht wird er vom genialen Erfinder Wilford (Ed Harris). Mehrere Revolten waren erfolglos und werden von der Propaganda der Zugleitung immer wieder als mahnende Beispiele dafür, dass die Ordnung so erhalten werden muss, wie sie ist, genutzt. Es gibt tägliche Appelle, Kinder werden ihren Eltern weggenommen und als Nahrung gibt es nur eine fiese Protein-Pampe, geschnitten in glibberige Blöcke. Zu allem Überfluss erscheint regelmäßig die herrische Ministerin Mason (Tilda Swinton), um drakonische Strafen zu vollstrecken und Hasspredigten abzulassen. Diese hinreichend fürchterlichen Bedingungen führen zu einer weiteren revolutionären Bewegung. Ihr geistiger Führer ist der alte Gilliam (John Hurt). Anführer der Revolte wird der junge Curtis (Chris Evans). Nachdem der „Pöbel“ die ersten Zugtüren ausgekundschaftet hat, gelingt es, einen Vorstoß zu machen. Dabei hilft, dass die Sicherheitskräfte über keine Munition verfügen. Entscheidend für den Erfolg ist das schräge Pärchen Namgoong und Yona. Beide liegen in einem Abteil mit Schlafsärgen. Namgoong hat die Türen konstruiert und ist bereit, für zwei Einheiten einer Droge jede Tür zu öffnen. Die Aufständischen kämpfen sich nach vorne und erleben zum ersten Mal das Tageslicht, das durch die Fenster scheint. Zu einem Rückschlag kommt es, als der Zug durch einen langen Tunnel fährt und die Sicherheitskräfte mithilfe von Nachtsichtgeräten ein Gemetzel anrichten. Erst der Einsatz von Fackeln beendet dieses Ungleichgewicht wieder. Curtis kleinem Trupp gelingt der weitere Vormarsch. Die garstige Ministerin Mason ist inzwischen als Geisel mit dabei. Jeder Wagen des ewig langen Zuges hat eine eigene Funktion. Die Rebellen entdecken, dass ihre Proteinblöcke aus pürierten Insekten bestehen. Ein ganzer Wagen ist ein Aquarium für Fische, daran schließt sich sinnigerweise eine Sushi-Bar an. Im „Schul-Wagen“ predigt die schwangere Lehrerin die Propaganda und Vergötterung des Zugführers Wilford. Als Eier als Neujahrsgeschenke verteilt werden, kommt es zu einer abermaligen Attacke der Sicherheitskräfte und einem weiteren Blutbad. Doch Curtis und einige seiner Getreuen gelingt es, durch Discotheken und Opiumhöhlen weiter nach vorne zu gelangen. Dort trifft Curtis auf Wilford. Dieser hat den Rebellen mit Nachrichten versorgt und den Aufstand provoziert. Gilliam war sein getreuer Kumpan – beide haben gemeinsam versucht, das fragile ökologische Gleichgewicht des Zuges durch Rebellionen und Hinrichtungen aufrechtzuerhalten. Wilford möchte, dass Curtis sein Nachfolger wird. Als Curtis entdeckt, das Wilford Kinder quasi als Ersatzteile für seine geniale Maschine eingebaut hat, erkennt er die grenzenlose Inhumanität des Zuges und sinnt nach Ausbruch. Er unterbricht die Maschine, in dem er durch das Opfern seines Arms einen Jungen aus der Mechanik befreit. Den Ausbrauch leistet das „Türknacker-Pärchen“ Namgoong und Yong, die eine Zugtür aufsprengen. Dabei kommt es zur Bildung einer Lawine, die den Zug aus der Bahn wirft und ihn entgleisten lässt. Yong und einer der kleinen Jungen entkommen in Pelzmäntel dem Zug in die Kälte und entdecken in der Ferne einen Eisbären.

Der Film lässt den Zuschauer etwas ratlos zurück. Hier geht es nicht um entspanntes Popcornkino, sondern um die Beantwortung vieler gesellschaftlicher und philosophischer Fragen. Oder vielmehr darum, diese Fragen aufzuwerfen. Das wird mit einer Prise nicht ganz harmloser Action gewürzt – eine Mischung, die erfahrungsgemäß nur einen kleinen Teil des Publikums anspricht. Die Konzentrierung einer stratifizierten Gesellschaft auf engen Raum erinnert an viele Werke der Weltliteratur und auch an viele Science-Fiction Filme. Die Zusammenarbeit zwischen autoritärer Führung und Revoltenführern wirft weitere Fragen auf. Auch die Dramatik des ökologischen Settings ist für viele Fragen gut. Besonders interessant ist die Ästhetik dieses Films, die sich wohltuend vom üblichen Hollywood-Einheitsbrei absetzt. Das Thema des Gleichgewichts zieht sich wie ein roter Faden durch Film und Zug. Auch die Symbolik am perpetuum mobile erinnert an das Ying-Yang-Zeichen. Hier ist der asiatische Einfluss der koreanischen Produktion erkennbar und verleiht dem Film einen für westliche Augen ganz speziellen Blickwinkel auf gesellschaftliche Probleme. Insgesamt ein überraschend guter Film. Kein Meisterwerk, aber eine gute Grundlage für ein paar (düstere) Gedanken über die Menschheit.

Filmfacts

  1. Der Film basiert auf dem fanzösichen Comic „Schneekreuzer“ von Jacques Lob, Benjamin Legrand und Jean-Marc Rochette.
  2. Regisseur und Drehbuchautor Bong Joon-ho wurde durch den Monsterfilm „The Host“ (2006) bekannt.
  3. Der Film ist die teuerste koreanische Produktion aller Zeiten. Das Budget betrug 40 Millionen Dollar.
  4. Die Brille die Mason (Tilda Swinton) trägt, kommt aus dem Fundus der Schauspielerin.
  5. Der Film wurde in Prag und am Hintertuxer Gletscher in Tirol gedreht.

Snowpiercer [Blu-ray]

Price: EUR 6,93

 


Snowpiercer (2013)
Snowpiercer poster Rating: 7.0/10 (162,198 votes)
Director: Joon Ho Bong
Writer: Joon Ho Bong (screenplay), Kelly Masterson (screenplay), Joon Ho Bong (screen story), Jacques Lob (based on Le Transperceneige by), Benjamin Legrand (based on Le Transperceneige by), Jean-Marc Rochette (based on Le Transperceneige by)
Stars: Chris Evans, Kang-ho Song, Ed Harris, John Hurt
Runtime: 126 min
Rated: R
Genre: Action, Drama, Sci-Fi
Released: 11 Jul 2014
Plot: Set in a future where a failed climate-change experiment kills all life on the planet except for a lucky few who boarded the Snowpiercer, a train that travels around the globe, where a class system emerges.

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