Sicario

FBI-Agentin muss miterleben, wie ihre ressortübergreifende Anti-Drogen-Eingreiftruppe sich kriminellster Methoden bedient und sie einen privaten Rachefeldzug legitimieren muss.

Dieser Film wird schon jetzt als einer der heißesten Oscar-Kandidaten gehandelt. Der Drogenkrieg an der Grenze ist ein aktuelles Thema, das immer für einen spannenden Filmabend gut ist. Also, rein ins Kino:

Kate Mercer (Emily Blunt) leitet ein Geiselbefreiungsteam des FBI. Die taffe Polizistin stürmt mit ihrer Truppe ein Haus, in dem sich aber keine Geiseln, sondern nur Leichen – Opfer eines Bandenkriegs – befinden. Bei der Durchsuchung des Hauses explodiert ein Sprengsatz und mehrere Polizisten finden den Tod. Kate wird anschließend zu einer Spezialtruppe berufen, bei der mehrere US-Behörden, unter anderem die CIA zusammen gegen die mexikanischen Drogenbarone kämpfen. Ihr erster Einsatz führt sie zur Überführung eines mexikanischen Gefangenen in die USA. Gemeinsam mit Elitesoldaten der Delta Force wird ein wichtiger Zeuge in die USA gebracht, die gefährlichsten Gegner dabei sind korrupte mexikanische Polizisten. Der Gefangenentransport wird überfallen, entkommt aber dank exzessivem Einsatz von Gewalt. Im Team kommt es zu Spannungen. Kate ist neben ihrem Chef, dem CIA-Mann Matt Braver (Josh Brolin) vor allen Dingen der kolumbianische Staatsanwalt Alejandro (Benicio del Toro) suspekt. Dieser fällt durch brutale Verhörmethoden auf und will die Aktion nutzen, um sich in eines der mexikanischen Kartelle einzuschleichen. Bei der Verhaftung einer Geldwäscherin tritt Kate zum ersten Mal öffentlich in Erscheinung und gerät so ins Visier der Gegenseite. Ein Polizist, den die Single-Frau in einer Bar kennenlernt, entpuppt sich beim anschließenden Stelldichein als Killer. Kate wird von Alejandro gerettet und merkt, dass ihr Team sie bewusst als Lockvogel eingesetzt hat. Durch die Befragung illegaler Einwanderer erfährt das Team von einem Tunnel, der zum Drogenschmuggel genutzt wird. Diesen Tunnel will Alejandro nutzen, um die Mafia zu unterwandern. Das Team führt einen Scheinangriff auf den Tunnel durch. Durch einen Zufall sieht sie, wie Alejandro sich dem korrupten Polizisten, der als Drogenkurier fungiert, anschließt, um Jagd auf die Drogenbosse zu machen. Dabei schießt Alejandro sie an, aufgrund ihrer Schutzkleidung bleibt das aber ohne (schlimmere) Folgen. Bei der anschließenden Auseinandersetzung mit ihrem Chef Matt erfährt sie, dass Alejandro sich auf einem privaten Rachefeldzug gegen einen Drogenboss befindet, dieser hatte seine Familie brutal ermorden lassen. Alejandro gelingt es, in den Landsitz der Drogenbarone einzudringen und die Familie brutal auszuschalten. Kate ist inzwischen fest entschlossen, die illegalen Machenschaften der CIA öffentlich zu machen. Doch nach dem Einsatz taucht Alejandro bei ihr auf und zwingt sie mit vorgehaltener Waffe, die Legitimität der Operationen durch ihre Unterschrift zu bezeugen.

Puh, was für ein Film. Spezialeinheiten, Feuergefechte, Leichen und massive Spannungen. Nicht umsonst war das Kino zu 90% mit Männern besetzt. Doch wir haben es hier nicht mit einem flachen Action-Thriller zu tun. Regierungshandlungen weit jenseits der Legalität und die darüber hängende Frage, ob so etwas legitim ist, um ein noch größeres Übel zu bekämpfen. Umgesetzt von Schauspielern, die ihr Fach beherrschen. Dieser Streifen hat alles, was ein richtig guter Film braucht – und macht daraus ein großartiges Gemälde der trostlosen Verhältnisse im Drogenmillieu zwischen den U.S.A. und Mexico. Es gelingt dem Regisseur, Einzelschicksale – wie das des drogenkurierenden mexikanischen Polizisten – so zu zeichnen, dass die klaren Grenzen zwischen Gut und Böse, zwischen Schwarz und Weiss komplett verwischen. Hier werden ethische Fragestellungen wie etwa die nach der Legitimität von Folter aufgeworfen, für die es in der Regel keine schnellen Antworten gibt. All das in einem schnell vorgetragenen, spannenden Handlungsfluss, der sowohl die Protagonisten als auch die Zuschauer mit sich reißt und in der Schlußsequenz die Frage stellt, wie es denn so weit kommen konnte. Menschen werden hier zum Opfer der Umstände, sowohl auf Seiten der Verbrecher als auch der der Polizei. Gewinner gibt es keine, Verlierer viele. Der Film erinnert an die großartigen Romane von Don Winslow und verbreitet die gleiche düsterer Stimmung wie der amerikanische Starautor. Ein Film, der einen nicht glücklich macht, aber den man gesehen haben muss. Ein Film, der bewegt und zum Nachdenken anregt, ohne deswegen langweilig, zäh oder nicht unterhaltsam zu sein. Warum nicht immer so, Kino?


Filmfacts

  1. Dieser Film wurde bei den Filmfestspielen von Cannes 2015 uraufgeführt.
  2. Drehort war hauptsächlich Albuquerque, Hauptstadt von New Mexico. Dort spielt auch die Fernsehserie „Breaking Bad“.
  3. Während der Dreharbeiten in Mexiko kämpfte Emily Blunt mit einer Durchfallerkrankung. Deswegen sieht sie beim Einsatz in der Grenzstadt Juares auch so schlecht aus.
  4. Benicio del Toro sorgte dafür, dass seine Wortbeiträge im Film um 90% gekürzt wurden, um seiner Rolle ein düsteres, mysteriöses Image zu geben. Gelungen, oder?
  5. Emily Blunt begann schon vier Monate nach der Geburt ihrer Tochter Hazel mit den Dreharbeiten.


Sicario (2015)
Sicario poster Rating: 8.0/10 (47,292 votes)
Director: Denis Villeneuve
Writer: Taylor Sheridan
Stars: Emily Blunt, Benicio Del Toro, Josh Brolin, Victor Garber
Runtime: 121 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Drama
Released: 02 Oct 2015
Plot: An idealistic FBI agent is enlisted by an elected government task force to aid in the escalating war against drugs at the border area between the U.S. and Mexico.

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