Machine Gun Preacher

Schwerverbrecher wird Christ, engagiert sich im Südsudan für Waisen und wird dort zum lokalen Helden.

Augen auf beim Blu-Ray-Kauf. Bei der Bestellung von „Machine Gun Preacher“ hatte ich mehr auf die Worte „Gerard Butler“ und „Machine Gun“ als auf „Preacher“ geachtet. Und da hatte ich den Salat: Knappe fünf Minuten nach Filmstart sah ich mich als Zuschauer in einer amerikanischen Kirche wieder und sah meinen gemütlichen Filmabend schon den Jordan hinunterrauschen. Ob es trotzdem noch ein gelungener Abend wurde, beschreibe ich später. Zunächst zum Film:

Sam Childers (Gerard Butler) wird aus dem Gefängnis entlassen. Er ist ein Rocker und alles andere als ein gesetzestreuer Bürger. Drogen, Alkohol und Raubüberfälle stehen bei ihm auf der Tagesordnung. Als ihn seine Frau Lynn (Michelle Monaghan) abholt erfährt er, dass diese ihren Beruf als Stripperin aufgegeben hat und inzwischen in einem Supermarkt arbeitet. Ein religiöses Erweckungserlebnis hat ihren Lebenswandel verändert. Childers begibt sich mit seinen alten Kumpels auf eine Sauftour. In dieser Nacht kommt ein Indianer, den die beiden mitnehmen, beinahe ums Leben. Als ihn Lynn am nächsten Tag mit in die Kirche nimmt, lässt er sich – noch unter dem Eindruck der Ereignisse des Vortags – taufen und ändern schlagartig seinen Lebenswandel. Er beginnt eine Tätigkeit als Handwerker und gründet nach einem überstandenen Tornado eine eigene Baufirma. Die Familie, zu der auch Tochter Paige zählt, zieht in ein großes Haus um. In seiner Kirchengemeinde hört er eine Predigt eines Pastors aus Uganda, der von seinen dortigen Schafen berichtet. Childers beschließt, zu einem Hilfseinsatz nach Uganda zu fahren. Von dort gelangt er mit einheimischen, christlichen Rebellen in den Südsudan und erkennt das Elend der dort unter dem Bürgerkrieg leidenden Menschen. Vor seinen Augen werden Kinder niedergemetzelt und mit Landminen getötet. Zurück in den USA beschließt er, eine Kirche in den Staaten und ein Kinderheim in Uganda zu bauen. Als am Tag der Kircheneröffnung der von Childers engagierte Pastor nicht auftaucht, übernimmt er selbst das Mikrophon und die Führung der Gemeinde. Der Bau des Waisenhauses mitten im Kriegsgebiet erweist sich als schwierig. Der erste Bau wird von gegnerischen Rebellen zerstört, Childers kämpft mit seinen Freunden an vorderster Front. Seine Frau Lynn überzeugt ihn, das Waisenhaus neu aufzubauen, es entsteht ein gesichertes Camp. Childers kehrt immer wieder in die Staaten zurück, um Spenden für seine Projekte zu sammeln. Dabei erweist er sich als überengagiert und ist persönlich tief getroffen, wenn die Spendensummen zu niedrig ausfallen. In Uganda versucht er, möglichst viele Kindersoldaten und entführte Kinder aus den Händen der von General Kony geleiteten Kriegsgegner zu befreien. Immer wieder muss er hier Rückschläge verkraften. In den Staaten stirbt sein Freund Donny, den Childers eigentlich zum enthaltsamen Christentum bekehrt hatte, an einem Drogenrückfall. Childers gibt in den Staaten alles auf, verkauft seine Firma und stürzt sich mit neuer Wut in die Kämpfe im Südsudan. Dort bekommt er durch seinen militanten Einsatz den Titel des „Machine Gun Preachers“. Nur langsam findet er wieder auf einen konstruktiven Weg zurück, dabei helfen ihm seine soldatischen Freunde und die ehemaligen Kindersoldaten. Der Film endet mit einer weiteren Befreiungsaktion für entführte Kinder.

„Machine Gun Preacher“ basiert auf einer wahren Geschichte. Der Film zeigt einen Mann, der aus unerklärlichen Gründen auf den Pfad der Tugend zurückkehrt und sein Leben fortan in den Dienst anderer stellt. Sein privater Befreiungskrieg im Südsudan ist alles andere als pazifistisch und er riskiert neben seinem Leben auch die Sicherheit und den Wohlstand seiner kleinen Familie. Regisseur Marc Forster zeichnet ein Porträt eines Mannes, dessen Uneigennützigkeit manchmal eine andere Form von Selbstzerstörungswut ist. Childers ist ein abgeklärter, organisations- und durchsetzungsstarker Mensch, der lieber anpackt und zuschlägt, als zu diskutieren. Jemand mit dunkler Vergangenheit – zu der er steht – und amerikanischen Selfmade-Qualitäten. Es bleibt der schale Beigeschmack der religiösen Überhöhung. Denn alles, was Childers auf den Pfad der Tugend zurückbrachte und was ihn antreibt, ist seine quasi blitzartig angenommene Religion. Die Frage, wie diese Erweckung wirklich zustande gekommen, bleibt ungeklärt. Damit befindet sich der Regisseur aber in guter Gesellschaft, denn auch in den großen Weltreligionen wird dieser Moment regelmäßig mehr verklärt als erklärt und bildet als Mysterium einen blinden Fleck des religiösen Konstruktes. Gerard Butler spielt einen determinierten Starrkopf, das kann er ohnehin ziemlich gut. Michelle Monaghan fällt in ihrer Rolle nicht weiter auf, alle anderen Personen werden durch die Hauptperson an den Rand gedrängt. „Machine Gun Preacher“ ist ein interessanter, spannender Film. Ein Film, der Verständnis für das Leiden der Menschen in einer der ärmsten Gegenden Afrikas weckt. Kann man sich durchaus mal anschauen.

Filmfacts

  1. Ursprünglich sollte Vera Famagira die Rolle der Lynn spielen. Sie musste ihr Engagement aber wegen einer Schwangerschaft absagen. Schade…
  2. Die Fotos, die Sam dem Banker beim Versuch, einen weiteren Kredit zu bekommen, zeigt sind echte Fotos von Sam Childers aus dem Sudan.
  3. Sam Childers traf im Südsudan auch auf George Clooney, der sich sehr für die Zukunft dieser Region einsetzt.
  4. Eine stark gekürzte und entschärfte Version dieses Films wird von Childers auch regelmäßig in Kirchen gezeigt, um Spenden für seine Projekte einzuwerben.
  5. Regisseur Marc Foster drehte auch den Bond Film „Ein Quantum Trost“.


Machine Gun Preacher (2011)
Machine Gun Preacher poster Rating: 6.8/10 (51,064 votes)
Director: Marc Forster
Writer: Jason Keller
Stars: Gerard Butler, Michelle Monaghan, Kathy Baker, Michael Shannon
Runtime: 129 min
Rated: R
Genre: Action, Biography, Crime
Released: 02 Nov 2011
Plot: Sam Childers is a former drug-dealing biker tough guy who found God and became a crusader for hundreds of Sudanese children who've been forced to become soldiers.

Rating: 7.0. From 1 vote.
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