Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll

LIberace
Schon die Entstehungsgeschichte des Films hat mich fasziniert: Weil er aufgrund des in den USA noch immer „schwierigen“ Themas Homosexualität Probleme mit der Finanzierung des Projektes hat, widmete Star-Regisseur Steven Soderbergh das ganze zu einem Fernsehfilm um. Dazu noch die brillianten Hauptdarsteller und die Tatsache, dass ich vor ewigen Zeiten selbst mal ein Liberace-Konzert besucht hatten, machten mich zum sicheren Anwärter für die Begutachtung dieses Films:

Alternder, nicht offen schwul lebender Showpianist verliebt sich in einen jüngeren Mann, macht ihn zu seinem Angestellten und sortiert ihn dann später aus.

Scott Thorson (Matt Damon) ist ein schwuler Junge aus Kalifornien, der als Tierpfleger bei der Produktion von Hollywood-Filmen arbeitet und bei seinen Pflegeeltern groß geworden ist. Durch einen gemeinsamen Bekannten erlebt er ein Konzert des schillernden Konzertpianisten Liberace (Michael Douglas) und verfällt der Dekadenz des nicht offen schwul lebenden Medienstars. Liberace verliebt sich in den hübschen Jungen und stellt ihn als Teil seiner Entourage in Las Vegas ein. Am „Hof“ des launischen Pianisten kommt es zu allerhand Neid und Mißgunst, aber Scotts Position ist über viele Jahre gesichert. Im Nachgang einer von Liberace angeordneten Schönheits-OP, bei der ihn der Pianist zu seinem Ebenbild formen möchte, wird Scott drogenabhängig und emotional instabil. Er bestiehlt seinen Chef, um den Drogenkonsum zu finanzieren. Es kommt, wie es kommen muss: Liberace serviert Scott ab. Dieser einigt sich mit den Anwälten auf eine Abstandszahlung. Als Liberace Jahre später an den Folgen der AIDS-Infektion stirbt, sehen sich beide noch einmal.

Der Film basiert auf den Erinnerungen von Scott Thorson. Trotz einiger eingebauter dramaturgischer Gegenlinien schildert er die Geschichte des Jungen aus der Provinz, der an den Hof des Sonnenkönigs gelangt, selber zum Günstling wird und dann vom Reichtum korrumpiert wird. Thorson leidet im Nachgang der Beziehung sehr stark daran, dass sich Liberace nie zu seiner Homosexualität bekannt hat und er somit nicht zum Teil der offiziellen Biographie des Pianisten wurde. Die schauspielerische Leistung von Michael Douglas und Matt Damon muss als phänomenal bezeichnet werden. Ohne jede anzügliche Witzelei spielen die beiden Hollywood-Veteranen ein sehr tuckenhaft auftretendes Schwulenpaar mit allen Höhen und Tiefen einer sehr ungleichen Beziehung. Schon fast legendär ist die Szene, in der Thorson Liberace zum ersten Mal ohne Toupet sieht und ihn nicht erkennt – hier wird der falsche Glanz eines zutiefst melancholischen Menschens in einen Augenblick gepresst – großartig. Interessant ist auch die Wandlung von Thorson vom hübschen Landburschen zum künstlichen „Ken“ des Pianisten anzuschauen – mit allen ihren emotionalen und charakterlichen Folgen. Das ist großes Kino und ein Film, der trotz eines hohen Unterhaltungswerts auch Raum zum Nachdenken über ungleiche Beziehungen, das Showbiz und den Umgang der Gesellschaft mit Homosexuellen bietet. Chapeau!

Filmfacts

  1. Nach den Erinnerungen von Thorson waren nur zwei Celebrities bei der Beerdigung von Liberace: Charlene Tilton (die Lucy aus Dallas) und Kirk Douglas, Vater des Liberace-Darstellers Michael Douglas.
  2. Debbie Reynolds, die Darstellerin von Liberaces Mutter kannte sowohl Liberace als auch dessen Mutter und Scott Thorson.
  3. Thorson bekam ca. 100.000$ für die Filmrechte und verprasste diese innerhalb von zwei Monaten mit Autos und Schmuck.
  4. Die Szenen in Liberaces Villa wurden im Anwesen von Zsa Zsa Gabor und Frederic von Anhalt gedreht.
  5. Matt Damon, 42, spielte Scott Thorson, der zur Zeit der Handlung in seinen Zwanzigern war. Deshalb trug er eine Perücke.


Behind the Candelabra (2013)
Behind the Candelabra poster Rating: 7.0/10 (30,488 votes)
Director: Steven Soderbergh
Writer: Richard LaGravenese (screenplay), Scott Thorson (book), Alex Thorleifson (book)
Stars: Matt Damon, Scott Bakula, Eric Zuckerman, Eddie Jemison
Runtime: 118 min
Rated: TV-MA
Genre: Biography, Drama, Romance
Released: 07 Jun 2013
Plot: Based on the autobiographical novel, the tempestuous 6-year relationship between Liberace and his (much younger) lover, Scott Thorson, is recounted.

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