I Hired a Contract Killer – Vertrag mit meinem Killer

I hired a contract killerDa ich auf Arthouse stehe, kann mir ein Film von Aki Kaurismäki nicht egal sein. Bisher wurde ich vom Macher der „Leningrad Cowboys“ selten enttäuscht. Man muss aber die karge und dialogarme Inszenierung mögen.

Als ein einsamer Mann seinen Job verliert, heuert er einen Auftragskiller an, der ihn umbringen soll und ändert seine Meinung, als der Killer schon auf dem Weg ist.

„I Hired a Contract Killer“ ist ein typisches Arthouse-Movie. Also nichts für reine Action-Liebhaber oder Fans seichter Ware. Fast schon wie in einem Theaterstück startet der Film mit schlichten Kulissen und wenig Dialog. Im grauen und tristen London fristet der Franzose Henri Boulanger (Jean-Pierre Léaud) ein trauriges Dasein. Er arbeitet in einem Großraumbüro und ist sozial isoliert von seinen Kollegen, aber auch von sonstigen Menschen. Er wohnt in einer Mini-Wohnung, die nur mit dem Nötigsten ausgestattet ist. Seine einzigen Freunde sind ein paar Topfpflanzen auf dem Dach. Als er seinen Job verliert, hat das Leben keinen Sinn mehr und er beschließt, sich umzubringen. Doch das scheitert mehrfach an seinem Unvermögen. Also fährt er in die dunkelste Ecke von London und geht in eine zwielichte Bar und beauftragt einen Untergrund-Chef damit, einen Killer auf ihn anzusetzen. Er bezahlt im Voraus und wartet von da an Zuhause auf den Killer.

Obwohl der Film ein übertrieben graues Dasein zeigt, sind schon bis zu diesem Zeitpunkt einige komische Szenen drin. Wer sich also vom etwas drögen Anfang nicht abschrecken lässt, wird schnell belohnt. Als es Henri in seiner Wohnung zu langweilig wird, geht er gegenüber in einen Pub. Pflichtbewusst hinterlässt er dem Killer einen Zettel an seiner Wohnungstür mit dem Hinweis, wo er zu finden ist. Im Pub lernt er aber dann die Freuden des Lebens kennen und nicht zuletzt auch das Blumenmädchen Margaret. Der lebensmüde Henri will auf einmal nicht mehr sterben. Doch dummerweise ist die Bar, in der er den Auftrag erteilt hatte mittlerweile abgerissen und den Killer kennt er auch nicht. Jetzt beginnt eine dramatische Flucht vor einem Killer, der auch so seine Probleme hat.

Neben der kargen Inszenierung beeindruckt der Hauptdarsteller Jean-Pierre Léaud. Ihn kennt man aus vielen Truffaut-Filmen der Nouvelle Vague der 60er Jahre. Und als Franzose in London wirkt er wie ein Mensch auf dem Mond. Seine unbeholfene Art hat ein komisches Moment. Und der ganze Film ist auf eine absurde Weise eine Komödie. Wem Jim Jarmusch („Down By Law“, „Night On Earth“) gefällt, der ist hier auch richtig. Ich habe den Film zwanzig Jahre lang nicht mehr aus dem Kopf bekommen.

Fakten:
1. Jean-Pierre Lèaud wurde von Francois Truffaut schon als Kind entdeckt.
2. Joe Strummer von The Clash („London Calling“) hat einen Kurzauftritt als Pub-Musiker und steuerte auch Songs zum Soundtrack bei.
3. Aki Kaurismäki hat einen Cameo-Auftritt als Zeitungsverkäufer. Solche Auftritte finden sich in vielen seiner Filme in Anlehnung an Alfred Hitchcock.

[ratings]

No votes yet.
Please wait...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.