Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel

Gone Baby Gone
Um ehrlich zu sein, lag die DVD ziemlich lange bei mir herum, bis ich irgendwann mal die Zeit und Muße hatte, den Regie-Erstling von Ben Affleck zu sehen. Und ich war überrascht.

Privatdetektiv sucht nach entführtem Mädchen und gerät in ein Polizeikomplott, bis er überraschend die Entführte findet und eine schwere Entscheidung treffen muss.

Als das vierjährige Mädchen Amanda spurlos verschwindet, wird der junge Privatdetektiv Patrick Kenzie (Casey Affleck) wird von der Tante des Mädchens mit der Suche beauftragt, weil sie der Polizei nichts zutraut. Da die Entführung in dem Viertel passiert aus dem Patrick selber kommt, hofft er, mit seinen Kontakten schneller den Fall zu lösen, als die Polizei. Jack Doyle (Morgan Freeman), der Leiter der Ermittlungen ist nicht sehr begeistert, dass sich Patrick einmischt. Auch die beiden Cops Remy (Ed Harris) und Nick sind eher abweisend. Als Patrick herausfindet, dass Helene, die drogenabhängige Mutter von Amanda mit ihrem Freund „Skinny Ray“ dem Drogenbaron Cheese Geld geklaut haben, vermutet er, dass Cheese das Mädchen entführt hat und einen Austausch will. Cheese bestreitet das, doch die Cops stimmen Patrick zu. Vor allem, weil sie einen Telefonmitschnitt haben, der diese These belegt. In dem Telefonat bietet Cheese den Austausch an. Der bislang abweisende Doyle stimmt einer Übergabe zu. Doch nachts am Baggersee geht alles schief und Patrick und die Beamten hören noch ein Plumpsen im Wasser und eine Kinderpuppe, die oben auf schwimmt. Doyle geht darauf hin in Rente und der Fall scheint geklärt.

Doch Patrick lässt die Sache nicht los. Vor allem, als er Monate später von Remy einige Details erfährt, die Remy nicht wissen konnte. Patrick bekommt heraus, dass der Anruf und die Übergabe fingiert waren. Einer Eingebung folgend fährt er zu Doyle nach Hause und findet dort Amanda, die Doyle und seine Frau zu sich genommen hatten. Jetzt wird es schwer für Patrick. Doyle fleht ihn an, das Mädchen bei ihm zu lassen und nicht zur drogenabhängigen Mutter zurück zu bringen, da es Amanda bei ihm viel besser gehen würde. Patrick trifft eine folgenschwere Entscheidung.

Der Schluss des Films ist einer der Gründe, warum sich der Film tief ins Gedächtnis eingräbt. Wie würde man selber entscheiden? Das Mädchen unrechtmäßig bei den liebevollen Pflegeeltern lassen und ihm so eine gute Zukunft ermöglichen, oder es zur kriminellen Mutter zurück bringen, bei der das Mädchen mit Sicherheit selber auf die Schiefe Bahn geraten wird? Die Geschichte ist gut erzählt und die Brüder Affleck haben einen richtig guten Job gemacht. Unter anderem, weil man nie richtig weiß, wer die Guten und wer die Bösen sind. Dem Zuschauer geht es wie Patrick und Casey Affleck passt exakt auf die Figur des Detektivs, der immer weiter ermittelt, obwohl auch seine Freundin ihn davon abhalten möchte.

Da die Geschichte in Massachusetts spielt, konnten sich die Afflecks gut einfühlen, weil sie dort selber aufgewachsen sind. In der OV hört man das auch am Dialekt, der bewusst eingesetzt wurde, um Patricks Lokalkolorit zu unterstreichen. Morgan Freeman ist das Sahnehäubchen auf diesem Film. Gut, dass er so ein Sympathieträger ist, denn fast gilt schon, kein Film mehr ohne ihn. Und als Polizist wirkt er immer überzeugend. Das er am Schluss ein korrupter Beamter ist, ist schon überraschend. Und doch irgendwie nicht, weil er ja für die kleine Amanda nur das Beste wollte.

Wie gesagt, diese Gewissenentscheidung ist der Kern des Films. Hat eine Mutter immer ein Anrecht auf ihr Kind, auch wenn sie es nicht richtig versorgt und mit sich selber schon überfordert ist? Diese Frage müssen sich Jugendämter jeden Tag stellen. Und es gab in letzter Zeit tragische Beispiele, bei denen Kinder zu schaden kamen, weil sie bei ihren drogenabhängigen Eltern geblieben sind. Andererseits bleibt die Frage: sind Pflegeeltern die besseren Eltern? „Gone Baby Gone“ reißt hier ein Thema an, das durchaus das Zeug zu einem eigenen Film hätte und diese Frage nicht nur am Schluss aufwirft. Vielleicht gibt es so einen Film ja schon. Ich würde mich über Tipps freuen.

Auf jeden Fall lohnt es sich, den spannenden Film anzuschauen und man erhofft sich von Neu-Regisseur Ben Affleck weitere Filme. 2010 hat er mit „The Town“ und 2012 mit „Argo“ nachgelegt. Wenn man seine gute Arbeit bei „Gone Baby Gone“ gesehen hat, tut er einem schon leid angesichts der Batman-Diskussion, die im letzten Jahr stattfand. Denn er hat nicht nur als Schauspieler gezeigt, dass er einer der ganz Großen im aktuellen Kinogeschäft ist.

Fakten:
1. In Großbritannien wurde der Filmstart angesichts des Entführungsfalls der kleinen Madeleine McCann verschoben.
2. Vom National Board of Review wurde Affleck als bester Debütregisseur ausgezeichnet.
3. Amy Ryan, die die Tante Helen spielt wurde von einem Sicherheitsmann am Set nicht durchgelassen, weil sie so überzeugend eine Anwohnerin darstellte, dass von ihm nicht als Schauspielerin erkannt wurde.
4. Auf der Beerdigungs-Szene hat Ben Afflecks ehemaliger Chemielehrer einen Cameo-Auftritt.

Gone Baby Gone (2007)
Gone Baby Gone poster Rating: 7.7/10 (183,211 votes)
Director: Ben Affleck
Writer: Ben Affleck (screenplay), Aaron Stockard (screenplay), Dennis Lehane (novel)
Stars: Casey Affleck, Michelle Monaghan, Morgan Freeman, Ed Harris
Runtime: 114 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, Mystery
Released: 19 Oct 2007
Plot: Two Boston area detectives investigate a little girl's kidnapping, which ultimately turns into a crisis both professionally and personally.



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