Fifty Shades Of Grey

Reicher Schnösel verliebt sich in College-Absolventin und will sie mithilfe eines knallharten Vertrages zu seiner Sex-Sklavin machen.

Die „Shades-Of-Grey“-Welle überrollt die Republik. Grund genug, meine bessere Hälfte ins Kino zu begleiten und als einer von gefühlt weniger als zehn Männern im fast vollen Kinosaal das Kinoereignis der Saison zu bewundern. Zwei Beobachtungen vor dem eigentlichen Kinobesuch waren auffällig: Zum einen war es in der Männertoilette ausnahmsweise komplett leer, während bei den Damen eine meilenweite Schlange wartete. Zum anderen gab es vor dem Film sehr viel Werbung für Produkte, die man sonst eher im Verborgenen kauft: Sextoys, Gleitcreme usw.

Christian Grey ist ein erfolgreicher Unternehmer. Anastasia Steele interviewt ihn für die Studentenzeitschrift. Er verliebt sich in sie und stellt ihr in ihrem Studienort nach, besucht sie bei ihrem Job im lokalen Baumarkt. Zum ersten richtigen Date fliegt er sie per Helikopter in seine Luxuswohnung. Dort offenbart er ihr sein düsteres Geheimnis: Er möchte sie als devoten Teil einer Beziehung in seinem „Spielzimmer“ mit allen möglichen Sado-Maso-Praktiken verwöhnen/quälen/benutzen. Dazu wird flugs ein Vertrag aufgesetzt, in dem die Spielregeln des schmerzhaften Beisammenseins fixiert werden sollen. Doch Anastasia will sich anfangs nicht auf das Spiel einlassen, wünscht sich eine „normale“ Beziehung, die Christian ihr nicht gewähren will. Er sieht sich nicht in der Lage, Berührungen auszuhalten und den ganzen „Herzchen und Blumen“-Quatsch mitzumachen. Die beiden kommen sich trotzdem näher und Christian demonstriert erste Ansätze seiner dominanten Rolle. Er schenkt ihr ein Auto und liest ihre Wünsche von ihren Lippen ab. Anastasia zieht bei Christian ein und lernt seine Familie, die nichts von seinem „dunklen Geheimnis“ weiß, kennen. Als Anastasia ihre Mutter besucht, reist Christian ihr kontrollwütig nach, muss aber wegen eines Notfalls in der Firma flugs zurück nach Seattle. Dort trifft Anastasia ihren Liebsten später völlig verstört an und erlaubt ihm, sie maximal zu bestrafen. Die dann folgenden Schläge mit dem Gürtel sind für sie genug Grund, die Beziehung zu beenden.

Über diesen Film hat man im Vorfeld viel gelesen. Die Leistung der Schauspieler ist sehr unterschiedlich zu bewerten. Während Dakota Fanning als Anastasia ihren Part solide und sicher spielt – man nimmt ihr die Rolle ab – , ist die schauspielerische Leistung von Jamie Dornan eher in die Kategorie „Zumutung“ einzuordnen. Man nimmt ihm seine Rolle nicht ab, er ist bestenfalls schmückendes Beiwerk oder wie man die Handelnden in solchen Filmen meistens nennt, ein „Darsteller“. Böse Zungen – zu denen ich mich zähle – könnten jetzt behaupten, dass es Dakota Fanning neben ihm nicht schwer fallen kann, gut auszusehen. Das will ich hier unwidersprochen stehen lassen. Der Film ist in gewisser Weise explizit, es gibt einiges an Sexszenen, in denen aber maximal nackte Oberkörper oder der Ansatz von Schambehaarung – auch das sehr irritierend für viele weibliche Kinobesucher – zu sehen sind. Schon bei der Verlesung der Spielregeln des Vertrages kam es im Kinosaal zu einigen Momenten des gespürten Unverständnis, trotz der medial begleitenden Aufklärungskampagnen über diese Spielarten des Sex gab es offenbar einige Begriffe, die für viele Zuschauer neu sind. Oder um die Frage ganz explizit zu stellen: Hausfrauenporno? Hausfrau ja, Porno nein.
Es gibt genau drei Gründe, warum ich diesen Film weder noch einmal sehen möchte noch empfehlen kann, ihn sich anzusehen:

  1. Er ist gähnend langweilig.
  2. Die Handlung ist extrem vorhersehbar und irgendwie aus 1001 Märchen und Liebeskomödien bekannt.
  3. Der Film platzt vor Klischees und Kitsch.

Den größten Kitsch-Alarm gibt es in einer Szene, in der Christian vor der in rot-blau-Tönen gefärbten Kulisse von Seattle am Klavier Balladen spielt und Anastasia in ein Bettuch gehüllt zu ihm ans Klavier tritt. Aufwischen, wegschauen, durchhalten. Der Film beweist, dass eine gut gemachte Medienkampagne und ein erfolgreiches Buch die wichtigsten Garanten für den Erfolg an der Kinokasse sind. Regie, schauspielerische Leistung und technische Umsetzung treten eindeutig in den Hintergrund. Schade, aber wahr!

Filmfacts

  1. Hauptdarstellung Dakota Johnson ist die Tochter von Melanie Griffith und Don Johnson, dem Serienstar aus „Miami Vice“
  2. Jamie Dornan ist im Hauptberuf Unterwäschemodell. Wäre er wohl besser auch geblieben. Schuster bleib bei Deinen Leisten. Oder ist das wieder zu schlüpfrig formuliert?
  3. Der Trailer wurde seit seiner Veröffentlichung 100 Millionen mal angeklickt – Weltrekord.
  4. Dakota Johnson bekam das „Spielzimmer“ nicht vor dem ersten Dreh dort zu sehen – man wollte ihre „natürliche Überraschung“ filmen.
  5. Auch im Buch schenkt Grey seiner Freundin einen Audi. Im Film wird daraus eines der aufdringlichsten Product Placements der Hollywood-Geschichte.


Fifty Shades of Grey (2015)
Fifty Shades of Grey poster Rating: 4.1/10 (198,280 votes)
Director: Sam Taylor-Johnson
Writer: Kelly Marcel (screenplay), E.L. James (novel)
Stars: Dakota Johnson, Jamie Dornan, Jennifer Ehle, Eloise Mumford
Runtime: 125 min
Rated: R
Genre: Drama, Romance
Released: 13 Feb 2015
Plot: Literature student Anastasia Steele's life changes forever when she meets handsome, yet tormented, billionaire Christian Grey.

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