Ein Hologramm für den König

Gescheiterter amerikanischer Geschäftsmann kommt nach Saudi-Arabien, soll eine Technologie verkaufen, verzweifelt an der einheimischen Bürokratie und findet die Liebe seines Lebens.

Filme von Tom Tykwer sind immer interessant. Manchmal sind Sie schon fast anstrengend („Der Wolkenatlas“), aber meistens geben Sie etwas Futter fürs Hirn. Grund genug, sich „Ein Hologramm für den König“ im Kino anzuschauen.

Alan Clay (Tom Hanks) ist ein amerikanischer Manager in seinen Fünfziger Jahren. Die Wirtschaftskrise und ein paar falsche persönliche Entscheidungen haben seine Karriere und sein bürgerliches Leben dahingerafft. Er ist geschieden und kann seiner Tochter die College-Ausbildung nicht mehr bezahlen. Deswegen hat er sich auf eine Art geschäftliches Himmelfahrtskommando eingelassen: Er will dem König von Saudi-Arabien ein neues, holographiegestütztes Telefonkonferenzsystem verkaufen. Clay reist nach Saudi Arabien, um dort auf sein völlig überfordertes technisches Team zu treffen. Dieses residiert in einem Zelt außerhalb eines neuen Geschäftskomplexes mitten in der Wüste, in der Mitte von Nirgendwo. Clay versucht, in der chaotischen Bürokratie etwas zu bewirken, aber irgendwie wird ihm klar, dass weder sein Ansprechpartner noch der König je hier auftauchen werden. Entgegen seiner früheren Arbeitsethik kommt Clay immer spät aus dem Bett und kommt zu spät – was aber ja nichts ausmacht, weil der König sowieso nicht kommt. So verpasst er immer wieder den regulären Shuttle in den Wirtschaftsdistrikt und muss die Dienste eines privaten Fahrers in Anspruch nehmen. Clay und er werden gute Freunde und der Amerikaner bekommt die Gelegenheit, das Leben der einheimischen Beduinen kennenzulernen. Clay baut sich mit einer dänischen Buchhalterin und nach einem Krankenhausaufenthalt auch mit einer einheimischen Ärztin so etwas wie ein neues Privatleben auf und kommt langsam zu sich. Schließlich kommt es doch noch zur Präsentation der Technik. Aber beruflich endet Clays Ausflug nicht so erfolgreich.

Dieser Film hat einen etwas irreführenden Titel. Er verweist auf Technologie, handelt aber von Selbstfindung und Liebe. Genau das wird in der Vermarktung des Werkes ein großes Problem gewesen sein. Denn dieser Film ist eigentlich ein klassischer Frauenfilm. Tom Tykwer hat sich an die literarische Vorlage von Dave Eggers mit aller Behutsamkeit herangewagt und eine schlüssige Geschichte entwickelt. Seine Darsteller, allen voran Hollywood-Legende Tom Hanks überzeugen auf ganzer Linie. Der Film beschreibt einen Selbstfindungsprozess in einer Umwelt, die wenig Fixpunkte bieten und die den Protagonisten immer wieder auf sich zurückwirft. Erst die wilde Tour mit seinem Fahrer und Liebe zur Ärztin Zahra bringen ihn zurück ins Leben. Die Verlustängste der Mittelschicht und die Aufarbeitung der amerikanischen Wirtschaftskrise geben allenfalls eine Rahmenhandlung vor, letztlich geht es um die Reise von Alan Clay zu sich selbst. Ein lohnenswerter Film nicht nur für Fans von Dave Eggers und Tom Hanks.

Filmfacts

  1. „Ein Hologramm für den König“ wurde in drei Kategorien für den deutschen Filmpreis 2016 nominiert.
  2. Die Dreharbeiten fanden 2016 unter anderem in Marokko und Ägypten statt.
  3. Die Premiere fand 2016 beim Tribeca Filmfestival in New York statt.
  4. Die Musik in der Startphase des Films ist „Once In A Lifetime“ von den Talking Heads.
  5. Ben Whishaw komplettiert das Trio aus dem Vorgänger-Film „Cloud Atlas“.

A Hologram for the King (2016)
A Hologram for the King poster Rating: 6.3/10 (1,022 votes)
Director: Tom Tykwer
Writer: Dave Eggers (novel), Tom Tykwer (screenplay)
Stars: Tom Hanks, Alexander Black, Sarita Choudhury, Sidse Babett Knudsen
Runtime: 98 min
Rated: R
Genre: Comedy, Drama
Released: 28 Apr 2016
Plot: A failed American businessman looks to recoup his losses by traveling to Saudi Arabia and selling his idea to a wealthy monarch.

Please wait...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.