Der Stoff aus dem die Helden sind

StoffHeldenDieser Film stand schon lange auf meiner „Watchlist“. Doku-Dramen über zeitgeschichtliche Dramen finde ich spannend, wenn sie denn auch noch Oscar-prämiert sind, fällt die Entscheidung umso leichter:

Truppe wagemutiger Testpiloten wird für das Weltraumprogramm der USA verpflichtet und kämpft sich gegen Bürokraten, Versuchstiere und die Russen durch bis zum ersten bemannten Raumflug der USA.

sIn den fünfziger Jahren sind Testpiloten die Idole der Jugend. Männer wie Chuck Yaeger versuchen, die bis dahin für undurchdringbar gehaltene Schallmauer zu durchbrechen. Mit experimentellen Flugzeugen riskieren sie Kopf und Kragen, um Rekorde zu brechen. Dabei schrecken sie vor nichts zurück: Der Star unter ihnen ist Chuck Yaeger, der seinen ersten Überschallflug wegen eines Rippenbruchs nur mithilfe eines abgesägten Besenstiels, den er zur Bedienung der Einstiegsluke benutzt, absolvieren kann. Treffpunkt der harten Männer ist eine abgehalfterte Kneipe in der Wüste, nahe ihres Flugplatzes. Die Gesellschaft ist stark macho-bezogen, für die Frauen der Piloten ist das Leben ein einziges Bangen. An der Wand hinter der Theke werden Fotos der verunglückten Kameraden angebracht. In diesem Umfeld rekrutieren auch die Männer von der US-Weltraumbehörde ihre Kandidaten für den ersten Raumflug. Doch man ist sich nicht sicher, welche Anforderungen richtig sind, denn eigentlich soll der mitfliegende Mensch nur eine Art „Versuchsperson“ sein, die Steuerung übernimmt die Leitstele. Zudem gelten Testpiloten als unzuverlässig und eigensinnig – was im Film mehrfach bewiesen wird. Wichtig ist der PR-Erfolg der Mission. So fällt die Aufmerksamkeit der Rekrutierer schnell auf John Glenn, einen Piloten der Marines, der schon mehrere Rekorde gebrochen hat und sich sehr telegen darstellen kann. Hundert Bewerber werden getestet, übrig bleiben sieben Kandidaten, die schnell zu einer verschworenen Gemeinschaft werden. Ihr Hauptfeind werden Schimpansen, die von den Machern des Programms als „Testpiloten“ favorisiert werden. Doch aus PR-Gründen möchte man „Piloten“ und „Helden“ kreieren. Deshalb werden sogar Design-Änderungen an der Raumkapsel beschlossen, um pilotenhafte Elemente wie ein Fenster und eine von innen betätigbare Not-Türöffnung einzubauen. Das Programm muss etliche Hürden übernehmen und Rückschläge überwinden. Nach einigen Vor-Tests wird John Glenn als erster amerikanischer Mann im Weltall ausgesucht und gefeiert. Sein Kollege Virgil I. „Gus“ Grissom versemmelt die Landung, weil er in Panik gerät und die Luke öffnet, so dass die Kapsel im Meer versinkt. So darf er auch nicht zum Dinner ins Weiße Haus, was ihn unter massiven Druck seitens seiner Frau bringt. Die Testpiloten, die über die Astronauten bislang nur gelächelt hatten, erkennen, dass sie nicht mehr die Helden der Nation sind, obwohl Yaeger noch den finalen Geschwindigkeitsrekord von über 2,5 Mach schafft und beim Absprung mit dem Fallschirm nach dem Versagen des Flugzeugs fast zu Tode kommt.

 
Es fällt nicht ganz leicht diesen Film zu beurteilen. Mit gut drei Stunden hat er so manche Länge. Man muss ihn aber im Kontext seiner Entstehung beurteilen. Statt, wie ursprünglich gewünscht, ein von Pathos strotzendes reines Heldenstück abzuliefern, gelingt es Regisseur Philip Kaufman, einem begnadeten Drehbuchautor, die Figuren hinter der Maske der Helden herauszuarbeiten. Es gelingt ihm, etwas an der Fassade der beiden großen Helden Yeager und Glenn zu kratzen, ohne sie zu zerstören. Sie gewinnen vielmehr an Tiefe. Dem Regisseur geht es auch darum, die Prozesse hinter dem Weltraumprogramm aufzuzeigen. Nicht der Kampf um die besten Männer und die Technologie, sondern der ums Geld, um das „funding“ ist entscheidend für den Erfolg der Programme. Kaufman schildert die Zerrissenheit der Männer zwischen Gefahr, Ruhm, Männergesellschaft und ihren Familien. Es ist das Einbringen des Menschlichen in die Charaktere, das diesen Film einzigartig macht.

Filmfacts

  1. John Glenn wurde später Senator, flog mit 77 noch mal ins All und scheiterte 1984 mit seiner Präsidentschaftskandidatur.
  2. Der echte Chuck Yaeger hat einen Cameo-Auftritt als Barmann.
  3. Die silbernen Uniformen der Astronauten wurden aus Stoffresten eines Auftritts der Sängerin Cher hergestellt.
  4. Regisseur Kaufman schrieb die Figur des Chuck Yaeger in das Drehbuch hinein, weil er ihn für den größten Fliegerheld hielt.
  5. Sam Shepherd, der die Fliegerlegende Yaeger verkörpert, hat massive Probleme mit Flugangst.

The Right Stuff (1983)
The Right Stuff poster Rating: 7.9/10 (N/A votes)
Director: Philip Kaufman
Writer: Tom Wolfe (book), Philip Kaufman (screenplay)
Stars: N/A
Runtime: 193 min
Rated: PG
Genre: Adventure, Drama, History
Released: 17 Feb 1984
Plot: The story of the original Mercury 7 astronauts and their macho, seat-of-the-pants approach to the space program.

Rating: 10.0. From 1 vote.
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