Der Pate

Der Pate
Da ich bis vor kurzem zu den wenigen Menschen gehörte, die den Paten nur auszugsweise kannten, war es Zeit, dies zu ändern. Außerdem habe ich zufällig das Hörbuch mit der Vorlage von Mario Puzo in die Hände bekommen und nach dem Hören war klar, dass ich die Filme sehen musste. Also ein Wochenende reservieren und alle drei Teile am besten am Stück anschauen.

Familiensaga einer italo-amerikanischen Mafia-Familie im New York der 40er Jahre, deren Oberhaupt die anderen Clans gegen sich aufbringt, bis sein Sohn die Geschäfte übernimmt.

Es gibt wohl kaum einen Film, zu dem man mehr „Klassiker“ sagen kann, als „Der Pate“. Das beginnt schon mit der Anfangsszene, in der Don Vito Corleone (Marlon Brando) für seine Tochter Connie (Talia Shire) ein Hochzeitsfest gibt, auf dem nicht nur die Familie, sondern auch die gesamten „Geschäftsfreunde“ anrücken, um dem Paten zu huldigen und ihm die Treue schwören. Das spielt sich im Halbdunkel im Hinterzimmer ab während im Garten des riesigen Anwesens eine typische italienische Hochzeit gefeiert wird. Don Corleone empfängt vom hochrangigen Politiker bis zum italienischen Leichenbestatter und Killer jeden und ist offen für deren Huldigungen, Geld-Spenden, aber auch für deren Probleme, die er gewaltsam lösen lässt. Wie Marlon Brando mit herunterhängenden Wangen vor sich hin murmelt wurde schon viele Tausend Male imitiert. Seine väterliche Präsenz, aber auch die Anwesenheit seiner Killer, die er ausschickt, um die Feinde seiner Freunde zu eliminieren macht klar, dass es über ihm in New York keine höhere Instanz gibt. Er muss nicht mehr die Drecksarbeit machen, sondern residiert wie ein Fürst hinter seinem Schreibtisch.

Der Pate Marlon Branod

Man lernt nach und nach die Familie kennen. Seine Söhne Michael (Al Pacino), der mit den Geschäften seines Vaters nichts zu tun haben möchte und Santino „Sonny“ (James Caan), der als Ältester der offizielle Nachfolger seines Vaters ist, oder den Anwalt Tom Hagen (Robert Duvall), der kein leiblicher Sohn ist, aber als Kind in die Familie aufgenommen wurde und der oberste Berater des Don ist. Tom Hagen ist es auch, der vom Don zu einem Filmproduzenten nach Hollywood geschickt wird. Der Produzent verweigert, dem Schnulzen-Sänger Johnny Fontane, der der Patensohn des Don ist, eine Filmrolle. Hagen macht dem Produzenten ein „Angebot“, das dieser nicht ablehnen kann und verdeutlicht dies, in dem er dem Produzenten den Kopf seines Lieblingspferdes ins Bett schmuggelt. Auch diese Szene, wie der Mann morgens im Blut getränkten Bett aufwacht und die Decke zurückschlägt, um den Kopf seines Rennpferdes zu entdecken, gehört zu den bekanntesten Szenen der Filmgeschichte, und macht klar, dass Gewalt immer ein akzeptiertes Mittel zum Zweck ist, um jeden Gegner gefügig zu machen.

Trotz dieser Machtfülle, bringt der Don die anderen Mafia-Familien gegen sich auf, weil er sich weigert, ins Drogengeschäft einzusteigen und die anderen davon abhalten möchte. Schließlich hat Corleone auch eine gewisse Moral, und da Drogen die Kids auf der Straße töten, will er damit nichts zu tun haben. Der brutale Mafiosi Virgil Sollozzo, genannt „Der Türke“ verbündet sich mit einem anderen Clan und verübt einen Mordanschlag auf Corleone. Jetzt müssen die Brüder zusammen halten und auch Michael beschließt, seinem Vater zu helfen, der schwer verletzt im Krankenhaus liegt. Als er abends beim Besuch seines Vaters feststellen muss, dass dieser ohne Personen- und Polizei-Schutz im Krankenhaus liegt, um von den Killern des Türken endgültig umgebracht zu werden, stellt er sich vor die Klinik und verhindert mit seiner Präsenz den zweiten Anschlag.  Diese Szene ist an Spannung kaum zu überbieten und zeigt die Klasse des Regisseurs Francis Ford Coppola, der mit der Paten-Trilogie zur Legende wurde. Als Michael in der Folge den Türken und den korrupten Polizeichef umbringt, muss er nach Sizilien in die Heimat der Corleones flüchten. Dort heiratet er die schöne Tochter eines sizilianischen Wirtes. Doch selbst bis dahin reicht der Einfluss der konkurrierenden Mafia-Familie und er entkommt nur durch Zufall einem Bombenattentat, dem seine junge Frau zum Opfer fällt. Er kehrt zurück nach New York und übernimmt von seinem Vater die Geschäfte. Dem Bandenkrieg fällt auch der älteste Sohn Sonny zum Opfer und als der Don einem Herzinfarkt erliegt, erledigt Michael in einem grandiosen Rundumschlag in einer Nacht alle Feinde der Familie und wird der neue Don.

Mit einer Länge von fast drei Stunden, könnte man meinen, dass der Film irgendwann langweilig wird. Weit gefehlt. Bis zur letzten Sekunde verfolgt der Zuschauer gebannt, diese Familiensaga. Am Schluss ist man froh, dass es noch zwei weitere Teile gibt, weil einen die Geschichte so sehr in den Bann zieht. Das liegt an vielen Faktoren. Natürlich die grandiose Vorlage des Buches. Dann die unglaublich hochkarätige Besetzung, die nicht nur Al Pacino zum Star gemacht hat. Und wie schon erwähnt die Regiearbeit eines Francis Ford Coppola, der es schafft, die drei Stunden zu einem einmaligen spannungsvollen Erlebnis zu machen. Wer von anderen Romanverfilmungen enttäuscht ist, sollte sich „Der Pate“ anschauen, um zu sehen, wie man es schafft, die Buchvorlage zu überbieten. Heutzutage hätten die Hollywood-Studios allein aus dem ersten Teil wahrscheinlich drei Teile gemacht. Nicht so Coppola. Und neben den genannten Gründen ist das meines Erachtens eins der Geheimnisse des Films. Das erste Drittel in New York, das die Machtfülle des Paten und den Mordanschlag auf ihn erzählt, gefolgt vom zweiten Drittel, das auf Sizilien spielt, bis zum großen Finale zurück in New York. Das alles ist soviel Film, wie man es heutzutage nur selten präsentiert bekommt. Deswegen funktioniert das Ganze so gut. Ähnlich einem Roman, der einen tagelang fesseln kann, fühlt man sich bei „Der Pate“. Die Geschichte geht immer weiter und weiter. Und als Zuschauer will man auch, dass es weiter geht, weil es so extrem spannend ist. Hier stimmt einfach alles. Die Dramaturgie und die schauspielerische Leistung. Und nicht zu vergessen die einzigartigen Charaktere der Schauspieler und die der Figuren, die sie spielen. Der Zuschauer wird Teil der Familie Corleone und leidet mit. Und als Michael zum Schluss seiner amerikanischen Frau und Mutter seiner Kinder ins Gesicht lügt, als sie ihn fragt, ob er wirklich der neue Don ist, hat man vollstes Verständnis für ihn. Schließlich muss das Familienerbe des Vaters weiterleben. Und Michael ist genau der Richtige dafür.

Und was zeichnet einen Filmklassiker noch aus? Ach ja, man kann ihn sich immer und immer wieder anschauen. Und genau das werde ich in Zukunft auch noch tun. Aber erst kommen die nächsten beiden Teile dran.

Fakten:

  1. Vorbild für Don Vito Corleone ist Vito Cascio Ferro aus Palermo, der „Don Vito“ genannt wurde und 1901 nach New York fliehen musste, um dort mit anderen italienischen Emigranten einen Falschgeldring aufgezogen hat.
  2. Corleone ist ein Dorf im berüchtigsten Teil von Sizilien.
  3. Francis Ford Coppola war erst 31 und hatte gerade mal drei Filme gedreht, als er den Auftrag übernahm.
  4. Die Mafia wollte den Film verhindern und verübte einen Anschlag auf den Produzenten Albert S. Ruddy.
  5. Frank Sinatra wollte den Film auch verhindern, weil er sich in der Figur des Johnny Fontane verunglimpft sah.
  6. Das Filmstudio wollte statt Al Pacino Robert Redford, und Laurence Olivier statt Marlon Brando.
  7. Auf Sizilien wurde in den Dörfern Forza d’Agrò und Savoca gedreht.
  8. Marlon Brando lehnte den Oscar aus Protest gegen die Behandlung der Indianer in den USA ab und schickte die indianische Aktivistin Sacheen Littlefeather zur Oscarverleihung.
  9. Marlon Brando trug bei der Szene im Hinterzimmer der Hochzeit ein Mundstück, das ein Zahnarzt für ihn anfertigte. Diese Mundstück ist heute im American Museum of the Moving Image in Queens in New York zu sehen.
  10. Al Pacinos Großeltern stammten aus Corleone in Sizilien, bevor sie nach Amerika emigrierten.
  11. In der Szene, in der James Caan die FBI-Fotografen auf den Boden wirft, improvisiert er so stark, dass der Schrecken der Statisten echt ist.
  12. Orson Welles hat alles Mögliche versucht, um die Rolle des Don Corleone zu bekommen, aber Coppola hatte sich schon auf Marlon Brando festgelegt.
  13. Auch der junge Sylvester Stallone hatte sich für eine Rolle beworben und wurde abgelehnt.

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