Der Club der toten Dichter – Ein Film wie ein Poesiealbum

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Lange hatte ich mir Der Club der toten Dichter (1989; Regie: Peter Weir) nicht mehr angeschaut. Als ich die Nachricht von Robin Williams Tod las, war es mein Wunsch, mein Bedürfnis, diesen Schauspieler zu würdigen, indem ich eines seiner besten Werke genieße und darüber schreibe.

Englischlehrer lehrt mit unkonventionellen Methoden seine Schüler die Leidenschaft zur Poesie, zum Leben und den Mut zum Verfolgen ihrer Träume.

Vermont, 1959. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres nimmt auch der neue Englischlehrer John Keating (Robin Williams) an der Welton Academy, einem Internat für Jungs, seine Tätigkeit auf. Seine Lehrmethoden sind unkonventionell und belustigen und verwirren die Schüler zuerst. „That was weird!“, sagen sie nach der ersten Stunde, in der Keating sie anweist, ihn mit „O Captain! My Captain!“ anzusprechen, die Einleitung ihres Poesie-Lehrbuches herauszureißen und sie auf einer Fotowand die Bilder ehemaliger, wohl schon verstorbener Schüler des Internats anschauen lässt. Er fragt sie, ob sie hören, wie diese Verstorbenen rufen: „Carpe diem!“ Dieser Satz ist Keatings Lebensmotto und es wird bald auch zum Motto einiger seiner neuen Schüler: Neil Perry (Robert Sean Leonard), Todd Anderson (Ethan Hawke), Knox Overstreet (Josh Charles) Charlie Dalton (Gale Hanson), Richard Cameron (Dylan Kussman), Steven Meeks (Allelon Ruggiero) und Gerard Pitts (James Waterston).

Die anfängliche Skepsis der Jungs Keating gegenüber weicht der Begeisterung für dessen Unterricht und dem, was er vermittelt: die Liebe zur Poesie, zum Leben und das Suchen, Finden und mutige Verfolgen der eigenen Träume. Er bringt so das gesamte Leben des Internats durcheinander, welches stolz auf seine höchsten Prinzipien ist: Tradition, Exzellenz, Disziplin und Ehre. Die Jungs beginnen, gegen diese altertümlichen Konventionen zu rebellieren und aus den starren Denkmustern auszubrechen.

Als Neil und seine Freunde in einem alten Jahrbuch von dem „Club der toten Dichter“ erfahren, zu welchem Keating zu seiner Zeit gehörte, lassen sie diesen Club wiederauferstehen. Sie treffen sich heimlich in einer Höhle abseits des Internats und rezitieren dort Gedichte, erzählen sich Geschichten und entwickeln ihre Träume. Sie beginnen, ihren Herzen zu folgen: Knox kämpft um die Liebe von Chris, einem Mädchen einer anderen High School, lässt sich auch von den Prügeln und Drohungen ihres Freundes nicht abhalten. Der schüchterne Todd kommt zum ersten Mal aus sich heraus: Er trägt vor der Klasse ein eigenes Gedicht vor und schreit einen „barbariac yawp“. Neil entdeckt die Liebe zum Theaterschauspiel. Er spielt die Hauptrolle in einem Theaterstück, trotz des Verbots seines Vaters und wird für seine Darbietung gefeiert. Sein Vater aber nimmt Neil direkt nach der Aufführung nach Hause und teilt ihm mit, dass er ihn aus dem Internat nehmen und auf eine Militärschule schicken wird. Danach solle Neil in Harvard Medizin studieren. Neil nimmt sich in derselben Nacht das Leben.

Für diese Tragödie wird John Keating die Schuld zugewiesen, welcher die Schüler dazu ermutige, einen unheilvollen Weg einzuschlagen. Er wird entlassen. Die letzte Szene ist eine der berühmtesten und rührendsten der Filmgeschichte: In einem Akt der Wertschätzung, Loyalität, des Bedauerns und der Rebellion steigen die Schüler Keatings auf ihre Pulte und verabschieden ihn mit: „Oh Captain! My Captain!“

Der Film überzeugt erst einmal durch seine dramatische, tragische, aber auch humorvolle Erzählung, die zu keinem Zeitpunkt an Spannung verliert. Die Charaktere werden einfühlsam entwickelt und von wunderbaren und glaubhaften Schauspielern zum Leben erweckt, allen voran der großartige Robin Williams. Mit seinem ernst-melancholischen Spiel berührt er uns tief, mit seinem komischen Talent reizt pointiert zum Lachen. Allein durch seine Augen und Mimik transportiert er uns die Gedanken und Gefühle seiner Rolle. Großartige Zitate bietet der Film einige. Sie möchte man sich sämtlich herausschreiben und sammeln, vielleicht in einem eigenen Poesiebüchlein. Meine persönlichen Favoriten sind:

„We don’t read and write poetry, because it’s cute. We read and write poetry, because we are members of the human race. And the human race is filled with passion. […] And medicine, law and business, engineering… these are noble pursuits and necessary to sustain life. But poetry, beauty, romance, love… these are what we stay alive for.”

“I stand upon my desk to remind myself that we must constantly look at things in a different way.”

Hätten wir nicht alle gerne einen John Keating als Lehrer gehabt?

Die zurückhaltende Kamera rückt all die genannten Qualitäten des Werks in den Vordergrund, die warmen Brauntöne der Bilder erinnern an alte Fotoaufnahmen und entführen uns in eine andere Zeit. Die malerische Landschaft, die altehrwürdigen Kulissen und die Jahreszeiten der Handlung – Herbst und Winter – unterstreichen die Romantik und Melancholie.

Der Film ist eine Hommage an die Liebe zur Poesie, zur Leidenschaft, zum Leben. Diese Liebe möchte er in uns wecken und uns ermutigen, zu träumen und unserem Herzen zu gehorchen, anstatt bloß dem kühlen Verstand. Trotz der Schattenseiten solch einer Liebe und solch eines Mutes. Carpe Diem! An dieser Stelle bleibt mir nur noch, es dem Club der toten Dichter nachzutun, auf mein eigenes Schreibpult zu steigen und dem großen Robin Williams höchste Anerkennung zu zollen: Für sein Lebenswerk, seinen Mut, seine Liebe und das Lachen, das er in unsere Welt zauberte. O Captain! My Captain!

Filmfacts

  1. Peter Weir drehte den Film in chronologischer Reihenfolge.
  2. Robin Williams wollte die Rolle des John Keating vor allem, weil er sich selbst solch einen Lehrer gewünscht hätte.
  3. Der Junge, welcher im Film „The cat sat on a mat“ vorlas, war damals Schüler in St. Andrew. Er verdiente in diesem Jahr mehr als seine Lehrer.
  4. Neil Perry sollte Arzt werden. Robert Sean Leonard spielte später einen Arzt in Dr. House (2004).
  5. Ethan Hawke und Robert Sean Leonard schafften mit Der Club der toten Dichter den Durchbruch als Schauspieler.
Dead Poets Society (1989)
Dead Poets Society poster Rating: 8.0/10 (259,878 votes)
Director: Peter Weir
Writer: Tom Schulman
Stars: Robin Williams, Robert Sean Leonard, Ethan Hawke, Josh Charles
Runtime: 128 min
Rated: PG
Genre: Comedy, Drama
Released: 09 Jun 1989
Plot: English teacher John Keating inspires his students to discover their love for poetry and seize the day.
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