Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit

Alternder Filmschauspieler versucht sein Glück am Theater, verliert den Kontakt zur Realität und nimmt am Schluss den ganz großen Abgang von der Bühne.

Oscar-Gewinner gehören fast automatisch auf meine Pflichtfilmliste. So gelangte auch „Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit“ in mein Blu-Ray-Regal. Regisseur Alejandro Gonzalez Inarritu scheint inzwischen schon ein Abo auf Oscar-Nominierungen abgeschlossen zu haben, denn auch „Revenant“ wurde von ihm gedreht. Ich war gespannt, ob der Film wirklich so beeindruckend war, wie es die Menge der Filmpreise erwarten ließ:

Riggan Thomas (Michael Keaton) war als Schauspieler für seine Rolle in den drei Superhelden-Filmen „Birdman“ bekannt. Von dieser Rolle kam er nie wieder los, seine restliche Karriere verlief weitestgehend im Sande. Jetzt versucht er einen neuen Start als Theaterschauspieler. Gemeinsam mit seinem Freund Jake (Zach Galifianakis) produziert er die Broadway-Inszenierung einer Kurzgeschichte. Thomas ist Regisseur, Produzent, Autor und Hauptdarsteller. Einer seiner Schauspieler fällt aus und so wird kurzfristig der exzentrische, aber erfolgreiche Schauspieler Mike Shiner (Edward Norton) verpflichtet. Schnell zeigt sich, dass das Bühnenstück zum Ego-Kampf zwischen Thomas und Shiner eskaliert. Doch auch außerhalb der Bühne knistert es gewaltig. Thomas Tochter Sam (Emma Stone), die nach einem intensiven Drogenexkurs bei ihrem Daddy jobbt, beginnt ein Verhältnis mit Shiner. Immer wieder hat Thomas Visionen aus seiner Birdman-Zeit, fühlt sich als Superheld mit übernatürlichen Kräften. Doch in der realen Welt läuft die Premiere auf eine Katastrophe zu. Eine einflussreiche Kritikerin, die Thomas nicht leiden kann, kündigt einen Verriss an und will Thomas den Abgrund hinunterstürzen. Bei einer Vorpremiere wird Thomas während einer Pause im Bademantel stehend ausgesperrt. Nur mit seiner Unterhose bekleidet, rast er über den Broadway und wird über die Veröffentlichung von Videos dieser Szene zum landesweiten Gespött, erzeugt aber Aufmerksamkeit. Thomas flieht in die Welt des Birdman und fliegt in seinen Gedanken über die Straßen New Yorks. Während der Premiere tauscht Thomas die Theaterpistole gegen einen echten Revolver und schießt sich vor dem Publikum in den Kopf. Er erwacht im Krankenhaus, wo ihn seine Partner als Erfinder einer neuen Kunstform feiern. Doch Thomas wird wieder zum Birdman und verlässt das Krankenhaus durch das Fenster.

Filme über Theaterstücke sind kein leichtes Unterfangen. Regisseur Inarritu macht es sich nicht leichter, indem er die Geschichte quasi in einem Take, ohne merkbare Schnitte produziert. Dadurch entsteht eine große Intensität. Die Tonqualität des Surround-Schnitts der englischen Version (DTS-HD MA 5.1.) trägt zu diesem Eindruck bei, man fühlt sich als Schauspieler bei vielen Szenen fast im Kopf des Hauptdarstellers verortet. Der Soundtrack, der größtenteils auf jazziger Schlagzeugmusik besteht, ist einzigartig. Der Nachteil der Filmtechnik besteht darin, dass durchaus Längen entstehen. Drei Schauspieler, nämlich Hauptdarsteller Michael Keaton sowie Edward Norton und Emma Stone tragen zur gelungenen Umsetzung bei. Der Film ist eine beißende Kritik auf die Film- und Medienszene und lässt weder an Schauspielern, noch an Kritikern ein gutes Haar. Alleine die Idee, dass sich ein Schauspieler auf offener Bühne ermordet, um die Intensität des Theaters zu erhöhen, ist so absurd, dass sie den ständigen Innovationsbedarf des Kunstsektors auf gelungene Art und Weise auf die Spitze treibt und persifliert. Schon für diese Idee lohnt sich der Film. Große Kunst, aber nicht ganz leicht zu verdauen!

Filmfacts

  • Michael Keaton wurde durch mehrere Batman-Filme bekannt. Den letzten drehte er 1992, darauf nimmt er in der Pressekonferenz in seiner Garderobe Bezug.
  • Durch die gute Vorbereitung und den linearen Drehprozess dauerte der Schnitt nur zwei Wochen.
  • Da die Szenen sehr lang waren, entstanden viele Fehler. Norton und Keaton führten darüber Buch. Am wenigsten Fehler machte Zach Galifianakis.
  • Die Szenen wurden im Schnitt 20mal gedreht, bevor alle damit zufrieden waren.
  • Insgesamt war der Film für 9 Oscars nominiert und gewann 4.

  • Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance) (2014)
    Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance) poster Rating: 7.8/10 (348,804 votes)
    Director: Alejandro González Iñárritu
    Writer: Alejandro González Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris, Armando Bo, Raymond Carver (play)
    Stars: Michael Keaton, Emma Stone, Kenny Chin, Jamahl Garrison-Lowe
    Runtime: 119 min
    Rated: R
    Genre: Comedy, Drama
    Released: 14 Nov 2014
    Plot: Illustrated upon the progress of his latest Broadway play, a former popular actor's struggle to cope with his current life as a wasted actor is shown.

    Rating: 9.0. From 1 vote.
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