Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt

Auf der Suche
Dieser Film wurde mir von einer guten Freundin empfohlen, so dass ich ihn nicht weiter hinterfragt habe. Guten Empfehlungen soll man immer folgen. Deswegen gibt es ja auch diesen Blog. Dazu fand ich die Story sehr interessant.

Als der Weltuntergang bevorsteht lernt ein Spießer eine empfindsame junge Frau kennen und sie machen sich auf die Reise zu ihren Familien und verlieben sich.

Steve Carell spielt den Versicherungsverkäufer Dodge Peterson. Schon die Eingangsszene macht Lust auf diesen Film. Dodge sitzt mit seiner Frau im Auto und sie hören die Nachrichten im Radio. Dort wird gerade verkündet, dass der letzte Versuch, einen Asteroiden, der auf die Erde zurast abzuschießen, fehlgeschlagen ist und die Erde in drei Wochen definitiv untergehen wird. Der Moderator wünscht noch einen schönen Abend und kündigt die nächsten Songs an. Dodge meint nur, dass er wohl die richtige Ausfahrt verpasst hat, während seine Frau ohne einen Ton zu sagen das Auto verlässt und verschwindet. Sofort wird klar, dass sie sich entschieden hat, die letzten drei Wochen ihres Lebens nicht mit dem Langweiler Dodge zu verbringen. Wir begleiten Dodge in seine Wohnung und am nächsten Tag in sein Büro. Hier sieht man schon, dass die meisten Menschen anderes zu tun gedenken, als arbeiten zu gehen. Bezeichnenderweise ist der Job, den Menschen in dieser Situation eine Versicherung zu verkaufen, ziemlich aussichtslos. Doch Dodge scheint von der Situation überfordert und weiß nichts mit sich und den letzten Tagen anzufangen. Abends geht er auf eine Party zu einem befreundeten Ehepaar. Alle Konventionen sind über den Haufen geworfen. Das Ehepaar streitet sich offen, der Mann säuft hemmungslos und seine Frau versucht sich an Dodge heranzumachen. Ein anderer Betrunkener versucht Dodge zu einem Dreier zu überreden. Und als die Party zur Orgie zu werden droht geht er nach Hause. In den Nachrichten sieht er, dass die Menschen entweder ihrem Sextrieb nachgehen, oder anfangen, Autos und Wohnungen zu zerstören oder einfach sich die Köpfe einzuhauen.

Als er antriebslos zuhause sitzt, bemerkt er ein weinendes Mädchen vor seinem Fenster. Es ist seine hübsche Nachbarin Polly (Keira Kneightley). Seit drei Jahren wohnt sie in der Wohnung unter ihm, aber sie haben noch nie miteinander gesprochen. Als er verspricht, sie nicht zu vergewaltigen und sie ihm verspricht, ihn nicht auszurauben, kommt sie in seine Wohnung. Schnell merkt sie, dass sie Dodge vertrauen kann. Traurig ist sie, weil sie den letzten Flieger verpasst hat, der sie zu ihrer Familie gebracht hätte. Als die Unruhen von der Straße auch auf ihr Haus übergreifen, fliehen sie in ihrem Auto und wollen erst Mal zu seiner großen Highschool-Liebe fahren. Auf dem Weg dorthin sehen sie die unterschiedlichsten Arten, wie die Menschen sich verhalten, angesichts des sicheren Todes. In den Städten wird randaliert. In einem Fastfood-Restaurant, kehren sie ein, weil dort Liebe und gute Laune mit Grasrauchen praktiziert werden. Als dort auch die Party zur Orgie wird, verlassen sie diesen Ort der Freude und haben selber überraschend Sex im Auto, weil Penny sich wünscht, dass Dodge ihr letzter Sexpartner sein soll. Das ist ihm aber am nächsten Tag peinlich. Weiter geht’s zum Haus seiner früheren großen Liebe. Das Haus ist verlassen, aber als sie zusammen einen schönen Abend dort verbringen, wird beiden klar, dass sie sich ineinander verliebt haben. Spätestens, als sie an einem Strand ankommen, wo sich Paare vor einem strahlenden Sonnenuntergang trauen lassen, wird ihnen das bewusst.

Schließlich bringt Dodge Penny zu seinem Vater (Martin Sheen). Mit diesem versöhnt er sich, weil der Kontakt abgebrochen war, als der Vater seine Familie vor Jahren verlassen hatte. Völlig überraschend trägt Dodge die schlafende Penny in ein Sportflugzeug, das seinem Vater gehört und bittet diesen, sie zu ihrer Familie zu fliegen. Das ist sein letzter Liebesbeweis. Nachdem die beiden abgeflogen sind, fährt er zu seiner Wohnung, um dort auf das Ende zu warten. Doch da steht auf einmal Penny in seiner Tür. Denn sie möchte das Ende nur mit ihm gemeinsam erleben.

Für mich hat der Film eine Tiefe, die sich erst allmählich erschließt. Während man erst Mal den Spießer Dodge nicht verstehen kann, wie er unternehmungsarm nichts mit sich und der verbliebenen Zeit anzufangen weiß, bricht um ihn herum die Hölle los. Bei einem Film mit Will Smith würde jetzt sofort die Action losgehen. Doch „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ bleibt ruhig und gibt einem Anlass nachzudenken. Sofort stellt man sich die Frage, was würde ich tun, wenn in drei Wochen alles vorbei wäre. Der Film zeigt einem bei der Reise des Paares verschiedene Alternativen. Hemmungsloser Sex oder Gewalt muss nicht die einzige Lösung sein. Da ist zum Beispiel die ältere, mexikanische Putzfrau von Dodge. Mehrfach will er sie nach Hause schicken. Jedes Mal schaut sie ihn panisch an. Für sie ist klar, dass sie nächste Woche zum Putzen wieder kommt. Wenn sie das nicht mehr hat, hat sie keine Aufgabe mehr und das Leben keinen Sinn. Oder in einem spießigen Vorort, durch den sie fahren, mäht ein Mann noch seinen Rasen. Warum, fragt man sich. Aber auch diesem Mann scheint es nun Mal das Wichtigste zu sein, alles in Ordnung zu halten. Ein Freund von Penny dagegen, der beim Militär ist, hat sich mit Freunden einen Bunker mit Vorräten für sechs Monate angelegt. Er ist fest davon überzeugt, dass er überlebt und dann der Richtige ist, die Weltherrschaft zu übernehmen und die Menschheit wieder aufzubauen.

Für mich richtig schön wird es, als Penny und Dodge an einem Strand ankommen und dort mit ihnen unbekannten Menschen eine lockere Strand-Party feiern. Sie sitzen um ein Feuer, Kinder spielen und alle unterhalten sich in einer lockeren Atmosphäre und es wird viel gelacht. So ein bisschen Paradies-Feeling. Auch die Versöhnung mit dem Vater zeigt, dass man die letzten Tage auch nutzen kann, um Dinge in Ordnung zu bringen, die man schon längst hätte erledigen müssen, um seinen Frieden zu finden. Die romantische Liebesgeschichte rückt für mich fast schon in den Hintergrund. Angesichts des sicheren Endes wird Besitz unwichtig. Die Menschen lassen alles im Stich, um irgendwohin zu fahren. Also können Penny und Dodge einfach in ein Haus gehen und es sich dort gemütlich machen. Der Ober-Spießer ist aber ein Polizist, der die Beiden wegen einem kaputten Licht und dem abgelaufenen Nummernschild einbuchtet. Autorin und Regisseurin Lorene Scafaria zeigt also viele Möglichkeiten auf, wie die „zivilisierte“ Menschheit wohl reagiert, wenn der Tod bevorsteht. Das macht Spaß, zuzuschauen. Und Steve Carell trägt die Geschichte mit seinem stoischen Gesichtsausdruck sehr gut. Obwohl Protagonist, ist er eigentlich stummer Beobachter, ohne zu verurteilen. Keira Knightley ist die schöne, lebenslustige Penny, die im Leben nicht so richtig klar kam und auf einmal mit Dodge die starke Schulter gefunden hat, die sie zum Anlehnen braucht. Auch wenn „Der Spiegel‘ in einer Kritik, den Beiden die Romanze nicht abnimmt, kann ich mir das gut vorstellen. Wenn das Ende bevorsteht, werden wohl andere Dinge wichtig, als Aussehen und Coolness. Klar, die Schwelle zum Kitsch ist immer greifbar, meines Erachtens aber nicht überschritten. Deswegen war ich schon traurig, als der Film nach 100 Minuten schon zu Ende war. Und selbst der kitschige Soundtrack mit den Hollies oder den Walker-Brothers bekommt auf einmal eine besondere Bedeutung. Bei Songs, die man schon nicht mehr hören kann, hört man auf einmal wieder genauer hin. Und als Dodge den Platten noch zuhört und auf einmal der Strom ausfällt und Stille einkehrt, dann denkt man über die Bedeutung von Musik ganz anders nach. Im Making Of erzählt Keira Knightley, dass sie zum Beispiel Supertramp und die Talking Heads für eine letzte Party mitnehmen würde. Erstaunlich. Und schon fragt man sich, was wären wohl meine Bands mit denen ich die letzten Stunden verbringen würde. Und das macht diesen Film für mich so besonders: er wirkt über die nächsten Tagen und Wochen nach, weil man darüber nachdenkt, was wäre wenn. Mehr als das und gute Unterhaltung beim Zuschauen, kann man von einem Film nicht verlangen.

Fakten:
1. Die Frau, die vor Dodge am Anfang aus dem Auto flieht ist in Wirklichkeit die Ehefrau von Steve Carell.
2. Die Schallplatten, die Penny auf die Reise mit nimmt sind: Lou Reed’s „Coney Island Baby“, John Cale’s „Vintage Violence“ und Herb Alpert & The Tijuana Brass‘ „The Beat of The Brass.“
3. Die Regisseurin hat einen Cameo-Auftritt auf einem Photo als Olivia, die Highschool-Liebe von Dodge.

Seeking a Friend for the End of the World (2012)
Seeking a Friend for the End of the World poster Rating: 6.7/10 (82,390 votes)
Director: Lorene Scafaria
Writer: Lorene Scafaria
Stars: Brad Morris, Steve Carell, Nancy Carell, Mark Moses
Runtime: 101 min
Rated: R
Genre: Adventure, Comedy, Drama
Released: 22 Jun 2012
Plot: As an asteroid nears Earth, a man finds himself alone after his wife leaves in a panic. He decides to take a road trip to reunite with his high school sweetheart. Accompanying him is a neighbor who inadvertently puts a wrench in his plan.

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