Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Mitty
Ben Stillers Filme gefallen mir meistens und dieser Film wird sogar für den Oscar gehandelt. Darüber hinaus spielt Sean Penn mit und geht es um eine legendäre Zeitschrift. Was kann da noch schiefgehen? Also, ab ins Kino!

Unscheinbarer, tagträumender Archivar wächst über sich selbst hinaus und erlebt das Abenteuer seines Lebens.

Manchmal gibt es Punkte, an denen die Einschätzung für eine Sache kippt. Für mich hatte dieser Film genau einen solchen Punkt. In einem seiner vielen Tagträume, in denen Hauptakteur Walter von einem Leben mit seiner Angebeteten träumt, spielen beide eine Sequenz aus dem Film „Der seltsame Fall des Benjamin Button nach“. Kurz vorher hatte einer dieser Tagträume in einer kitschigen Großplastik des (vermeintlichen) Paares geendet. Ab diesem Punkt hatte mich der Film (leider) verloren. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum dieser von Ben Stiller produzierte und geführte Film nicht den Weg auf die (lange) Liste meiner Lieblingsfilme gefunden hat.
Doch zunächst zur Zusammenfassung dieses Werkes: Walter Mitty ist Negativ-Archivar der legendären Zeitschrift „Life“. Die Zeitschrift soll eingestellt werden, die letzte Ausgabe ist geplant, doch Walter geht das für diese Ausgabe als Titelfoto geplante Negativ von Star-Fotograf Sean O’Connell verloren. Damit ist auch sein Job verloren. Gleichzeitig ist Walter in die Redakteurin Cheryl Melhoff verliebt, doch trotz einer Flirt-Attacke via Internet-Partnervermittlung geht das Ganze nicht so recht voran. Mit dem Mut der Verzweiflung macht sich Walter auf den Weg um die Welt, um Fotograf und Foto zu entdecken. Dabei erlebt er unzählige (unrealistische) Abenteuer.

Der Film hat seinen Charme. Wunderschöne Bilder, ein sympathischer Protagonist, eine tragische Liebesgeschichte sind Pluspunkte für diesen Film. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes Bildgewaltig und versucht sich in der Tradition des Erzählkinos. Aber in meinen Augen scheitert Stiller. Er versucht, einfach zu viel in den Film zu packen. Aktuelle Entwicklungen wie die Krise der gedruckten Presse und das Online-Dating, die rigorosen Anti-Terror-Gesetze der USA, Naturkatastrophen und die Probleme indigener Völker, all dies führt zu einer narrativen Überladung dieses Films. Und dann noch diese Tagträume. Warum müssen da immer wieder diese völlig unverständlichen Dinge passieren. Bei den ersten beiden Malen ist das vielleicht noch lustig, aber spätestens beim Auftauchen gespielter Filmszenen nervt das. Gewaltig. Und wie! Abgesehen davon, ist die Erzählweise lückenhaft, viele Fakten völlig unrealistisch dargestellt und die Liebe zum Klischee bricht sich spätestens beim bösen, Leute feuernden, bärtigen Manager ihre freie Schussbahn bis zum Ende. Nein, das ist schade um die Geschichte, schade um den guten Schauspieler Ben Stiller und vor allen schade um die in einer Nebenrolle brillierende große Shirley MacLaine.

Filmfacts

  1. Als Walter nach Island kommt, hört man die isländische Band „Of Monsters & Men“ mit ihrem Song „Dirty Paws“.
  2. Der Film hat eine unendlich lange Entwicklungsgeschichte. Irgendwie kam man nie so recht in die Strümpfe. Schon 2005 war ein Filmstart geplant.
  3. Owen Wilson, enger Freund von Ben Stiller, war für die Version in 2005 als Hauptdarsteller vorgesehen.
  4. Der Film ist das Remake des Klassikers „The Secret Life of Walter Mitty“ aus dem Jahr 1947.
  5. Der Markenname „Nikon“ der Kamera des Star-Fotografen wurde angeklebt.

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